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Spanische Kunst im Salzburger Hangar-7

Tollkühne Künstler neben fliegenden Kisten



Wenn man einem Salzburger Taxifahrer als Fahrtziel den Hangar-7 nennt, dann weiß er, es gibt drei Möglichkeiten: Entweder der Fahrgast ist ein Flugzeugfan, ein Kunstliebhaber oder ein Feinschmecker. Auf jeden Fall ist er auf dem Weg zu einem architektonisch anspruchsvollen Veranstaltungsort direkt am eher beschaulichen Salzburger Flughafen, wo ein erfolgreicher Unternehmer, Lebemann und Genussmensch eine Spielwiese für Liebhaber des Extravaganten betreibt: Den Hangar-7, laut Eigenwerbung eine „Begegnungsstätte von Kunst, Leidenschaft, Technik und gehobener Lebensart“. Denn Dietrich Mateschitz ist nicht nur der drittreichste Österrreicher, sondern auch ein Unternehmer mit Visionen. Der Produzent des weltweit erfolgreichsten Energy-Drinks sammelt Flugzeuge, Sportmannschaften und ab und zu auch Kunst.



Und Marketing, könnte man hinzufügen. Hinter der Mischung aus Technikschau, Kunstausstellungshaus und Spitzengastronomie steckt der Erfinder des Energy-Drinks, der umtriebige Unternehmer Dietrich Mateschitz. Vor fast 20 Jahren ging der einstige Marketingmanager für Marken wie Unilever, Jacobs und Blendax mit einer thailändischen Familie ein lukratives Jointventure ein. Das Rezept für ein Getränk, das eigentlich übermüdete LKW-Fahrer im fernen Asien fit halten sollte, stammt von den Thailändern. Die Idee, es international zu vermarkten, aber hatte Mateschitz. Die Marke „Red Bull“ war geboren. Heute wird sie weltweit konsumiert, vorzugsweise von Discokids, Cocktailtrinkern, Sportlern und Workoholics. Hobbypilot Mateschitz baute in den letzten Jahren um die Marke herum ein leicht eklektizistisches Imperium auf: Die spektakuläre Flugzeugsammlung der Flying Bulls, liebevoll restaurierte und auf das Red Bull-Erscheinungsbild getrimmte Oldtimer-Jets, darunter die 28sitzige Propeller-Maschine von Marschall Tito. Auch in der Formel1 engagiert sich der österreichische Vorzeigeunternehmer mit seinen Teams Red Bull Racing und Scuderia Toro Rosso. Und schließlich die Kunst.

Denn auf der sogenannten „Homebase“, dem 100 Meter langen Kuppelgebäude aus 1.200 Tonnen Stahl und 7.000 Quadratmetern Glas auf dem Salzburg Airport, die aussieht wie eine überdimensionierte Seifenblase mit Bodenhaftung, werden nicht nur schicke Flugzeuge präsentiert. Unter dem Motto „Air & Art“ veranstaltet Red Bull Ausstellungen junger aktueller Kunst aus verschiedenen Ländern. Bis zum 3. Mai läuft jetzt die dritte HangART-7 Edition in dieser Reihe mit dem Titel „¿VIVA Pintura! - Aktuelle Positionen spanischer Malerei“. Im Herbst waren die Chinesen zu Gast in Salzburg, zum Auftakt im Frühjahr 2005 widmete man sich sieben Künstlerinnen und Künstlern aus Österreich. Die Kuratorin Lioba Reddeker von der Kunstinstitution „basis wien“ ist das ganze Jahr über unterwegs, um interessante Neuentdeckungen zu machen. Dabei gibt es eine Vorgabe: Gezeigt werden soll vor allem gegenständliche Malerei. Mateschitz erwirbt ausgewählte Arbeiten aus den Ausstellungen für seine Sammlung.

Das Bild von Flamenco-Folklore und Mittelmeerromantik stimmt nur halb. Die Bilder von Vincente Bianco, Jahrgang 1974, aus Galizien wirken wie eingefrorene Filmsequenzen. Ein Junge liegt im tiefen Schnee, hinter ihm dunkle Tannen und ein halb verborgenes Holzhaus. Auf dem C-Print „The proll thing“ hingegen erkennen Kinogänger sofort das Foyer des "Kinos International" in Berlin. Zwei Männer sitzen an einem Tisch in roten DDR-Sesseln, durch das Panoramafenster erkennt man die Plattenbauten der Karl-Marx-Allee. Ostberlin-Romantik oder die bühnenhafte Inszenierung einer wiederentdeckten Moderne?

Kunsthistorische Zitate herrschen hingegen bei den Zwillingsbrüdern MP & MP Rosado, Jahrgang 1971, aus Andalusien vor. Ihre Digitaldrucke von farbigen Mauern, Fenstern und Türen nehmen Bezug auf den Altvater Marcel Duchamp. Erforscht wird der Blick hinter dem Raum. Ikonografische Überfülle dann auf den Bildern von Maríajosé Gallardo, Jahrgang 1978, aus Sevilla. Zusammengesetzt aus Vorlagen gerne auch aus deutschen Magazinen, wie Burdaheften aus den Siebzigern und Achtzigern, entstehen kuriose, collageartige Stillleben und vielfarbig barocke Farb- und Formenkompositionen voller katholisch-mediterraner Symbolik.

Einer Art fotorealistischen Pop Art mit Surrealismusanleihen frönt der Maler Jorge Galindo, Jahrgang 1965, aus Toledo. Seine gefälligen Leinwände füllt der in Madrid lebende Maler mit Frauengestalten im Hollywoodoutfit der 40er Jahre, garniert mit Versatzstücken aus Architektur, Werbung, Natur oder Kunst- und Kulturgeschichte. Da sitzt dann auch schon mal ein prächtiger Schmetterling mitten im Gesicht einer dunkelhaarigen Diva mit rot geschminkten Lippen.

Kunstgenuss im Hangar-7 ist das Eine. Einen legendären Ruf jedoch hat auch das Restaurant Ikarus, ein stets ausgebuchter Gourmettempel, hinter dessen kosmopolitischem Konzept Patron Eckart Witzigmann steht. Gastköche der Spitzenklasse aus aller Welt komponieren Monat für Monat ein neues Menü, mal exotisch wie von Jerome Leung aus Shanghai, mal bodenständige Eleganz aus dem Elsass mit Marc Haeberlin. Die zweite Erfolgslinie aus dem Hause Mateschitz, die Marke Kombucha, wird in der exquisiten Fingerfood-Lounge Carpe Diem serviert. Und ein Treffpunkt der Nachtschwärmer ist die unter der 14,5 Meter hohen Kuppeldecke des Hangars schwebende Skybar „Threesixty“, die Rundumsicht und Platz für dreißig Gäste bietet. Eine Notrutsche steht für den schlimmsten Fall bereit.

Das Engagement des 61jährigen Mateschitz ist ungebremst. Der Erfolg des firmeneigenen Fußballvereins Red Bulls Salzburg soll weiter forciert werden. Die Championsleague ist angepeilt. Mit dem Erwerb der New Yorker MetroStars hat Mateschitz jetzt auch noch einen amerikanischen Fußballklub in seinem Sportportfolio. Und demnächst soll Red Bull TV starten. Ein eigener TV-Sender mit Kunstflugakrobatik, Extremsport und vielleicht auch kulinarischen und künstlerischen Höhepunkten? Fest steht: Die Kunst ist zur Zeit nur ein winzig kleines Mosaiksteinchen im weltweiten Imperium des Wachmacherbrause-Moguls. Doch das könnte sich bald ändern: Nach der 7. HangART-Ausstellung plant Mateschitz die Eröffnung eines eigenen Kunstmuseums.

Die Ausstellung "¿VIVA Pintura! - Aktuelle Positionen spanischer Malerei" ist bis zum 3. Mai täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet. Der Katalog mit 144 Seiten ist Verlag "basis wien" erschienen. Es gibt ihn nur in der Ausstellung, dafür kostenlos.

Kontakt:

Red Bull Hangar-7

AT-5020 Salzburg

Telefon:+43 (0662) 21 970

Telefax:+43 (0662) 21 97 37 86

Startseite: www.hangar-7.com



05.04.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


17.03.2006, VIVA Pintura! - Aktuelle Positionen spanischer Malerei

Bei:


Red Bull Hangar-7









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