Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 18.09.2010 Auktion 32

© Auktionshaus Lehr

Anzeige

Selbstbildnis an der Ostsee / Ernst Hassebrauk

Selbstbildnis an der Ostsee / Ernst Hassebrauk
© Galerie Döbele - Dresden


Anzeige

Selbstbildnis an der Ostsee / Ernst Hassebrauk

Selbstbildnis an der Ostsee / Ernst Hassebrauk
© Galerie Döbele - Dresden


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.de

Journal

Eine „Neue Kulturrevolution“ im Reich der Mitte

Museumsboom in China



Neue Herausforderung China: Masterpläne, Zukunftsutopien und in rasantem Tempo realisierte Mammutbauprojekte, die ganze aus dem Boden gestampfte Retortenstädte umfassen, kommen derzeit jedem in den Sinn, der sich mit dem Wandel und dem ungebremsten Fortschrittsglauben im Reich der Mitte beschäftigt. Doch geplant und gebaut werden nicht nur neue Konzernzentralen, Sportstadien, Einkaufszentren und Wohnanlagen. China rüstet sich für eine gigantische Welle von Museumsneubauten im ganzen Land. Die chinesische Regierung möchte bis zum Jahr 2015 rund 1000 neue Museen bauen und setzt damit auf den Standortfaktor Kunst. Allein Beijing plant 32 neue Museen bis 2008 und Shanghai, Gastgeberstadt der Expo 2010, will bis dahin gar 100 neue Museen entstehen lassen. Gigantische Großprojekte wie die Überbauung des ehemaligen Hafengebietes New Kowloon in Hong Kong, für das man mit Architekturstars wie Herzog & de Meuron, Norman Foster aber auch mit dem Garanten für spektakuläre Museumsbauten weltweit, Frank O. Gehry, bereits Verhandlungen geführt hat, sind in die Schlagzeilen geraten.



Daneben gibt es unzählige kleinere Projekte für Privatmuseen, etwa von chinesischen Künstlern, die im Ausland Erfolge feiern und sich in ihrer Heimat bereits zu Lebzeiten ein Denkmal setzten wollen oder von reichen Privatsammlern wie Guang Yi aus Beijing, der bereits vier Privatmuseen in der chinesischen Hauptstadt realisiert hat und diese mit seiner eigenen Sammlung chinesischer Gegenwartskunst bespielt.

Bei aller Euphorie mehren sich die Stimmen kritischer Beobachter, die den Museumsboom mit einer offen geführten, inhaltlich orientierten Debatte begleiten wollen. Im Rahmen der Kunstmesse Art Basel gab es jetzt erstmals in Europa ein hochkarätig besetztes Podium mit Architekten, Kuratoren, Künstlern, Sammlern und Museumsdirektoren aus China, die unter der Leitung des Schweizer Ausstellungsmachers und Asien-Kenners Hans-Ulrich Obrist die gegenwärtige Situation in China analysierten, kritisch hinterfragten und Ideen für eine Zukunftsstrategie der Museumslandschaft in China entwarfen.

Die im Westen und in China tätige Kuratorin Chaos Yang Chen sieht die neue Aufgabe eines Museums darin, die „Evolution gesellschaftlicher Prozesse zu begleiten“. Sie versteht das Museum eher als offenes Diskussionsforum, als „Campus ohne Wände“ und nicht als Ort, in dem ausschließlich fertige Kunstwerke gezeigt werden sollen. Die Überlegung, in einem Museum den Denkprozess abzubilden und nicht die Kunst selbst, ist natürlich eine sehr intellektuelle, vielleicht auch zukunftsweisenden Vorstellung, die den Planern, Machern und Investoren in China sicherlich nicht gefallen wird.

Der international versierte Kurator Hou Hanru hingegen warnt vor der Selbstgefälligkeit, dem Machtmissbrauch und der blinden Bauwut chinesischer Politiker und Investoren, wenn es um neue Museen geht. Für viele Museumsneugründungen gebe es schlichtweg kein Programm, kein Personal, keine Sammlung und keinen Plan. Der quirlige Hanru, der vor zwei Jahren einer der Co-Kuratoren der Biennale in Venedig war, sieht in dieser Planlosigkeit grundsätzlich noch keinen Hinderungsgrund, die Dynamik zu stoppen: „Kein Programm zu haben, ist eigentlich gar kein Problem. Dann steht man vor der Notwendigkeit, sich etwas auszudenken. Wichtig ist, dass man seine kritischen Strategien bewahrt.“ Gleichzeitig warnt Hanru vor einer für China typischen „Gentrification“, also der schnellen Umwandlung ganzer Stadtviertel. In Stadtviertel, wo zuerst Künstler ihre günstigen, improvisierten Ateliers hatten, ziehen mittlerweile innerhalb kürzester Zeit schicke Galerien, gestylte Restaurants und aus dem Boden gestampfte Museen und bewirken in Windeseile eine drastische Erhöhung der Mieten und somit die Vertreibung der Künstler. In New York nannte man das den „Soho-Effekt“.

Der Schweizer Kunstbegeisterte Uli Sigg, der als einer der profiliertesten Sammler von chinesischer Gegenwartskunst gilt und als ehemaliger Botschafter seines Landes in China ein genauer Kenner des Landes ist, beobachtet mit abwartender, analytischer Distanz den ungebremsten Museumsboom. „Museen sind nur die Hardware. Es mangelt an Software, und das sind die Menschen, die Künstler, die ein Museum erst ausmachen.“ Die Absichten seien gut, aber es gäbe nicht genügend finanzielle und personelle Kapazitäten, die Museen adäquat zu bespielen. In China sind kaum Sammlungen, weder private noch öffentliche, von chinesischer Gegenwartskunst vorhanden. Regierungsbeamte aus völlig fachfremden Bereichen werden einfach als Ausstellungsmacher an ein Museum versetzt und sind logischerweise überfordert. Windige Investoren entwerfen große Pläne für ganze Museumsstädte, verlieren aber schnell wieder das Interesse oder gehen schlichtweg bankrott.

Der Direktor des Guangdong Museum of Art, Wang Huangsheng, hingegen setzt auf eine schnelle Entwicklung des Kunstmarkts in China: „Was wir für China wünschen, wäre eine Kunstmesse wie die in Basel.“ Eine Idee, die vielleicht gar nicht so abwegig ist. Auch wenn Uli Sigg beobachtet hat, dass „bisher kaum jemand in China in der Lage ist, zeitgenössische Kunst überhaupt zu verstehen“, schließt er nicht aus, dass in einem immens schnellen Aufholprozess der Zugang zur zeitgenössischen Kunst auch für ein breiteres Publikum möglich wird. Chinesen lernen bekanntlich schnell. Oder wie es der Pekinger Privatsammler Guang Yi formuliert: „Es kann alles passieren, auch etwas total Übertriebenes.“



03.08.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an










Copyright © '99-'2010
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

Oelbilder vom FotoFreimaurer in Krefeld, Johannisloge EOS  Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce Art Cologne 2010 Katalog Weinhandel Falstaff Frankreich Italien Spectator The Wine Advocat