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Selbstbildnis an der Ostsee / Ernst Hassebrauk

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Alte Kunst bei Bassenge

Kunst kommt von Kunst



Albrecht Dürer, Ritter, Tod und Teufel, 1513

Albrecht Dürer, Ritter, Tod und Teufel, 1513

Nicht zuletzt die Ausbildung zum Goldschmied bei seinem Vater legte den Grundstein zu Albrecht Dürers Fähigkeiten als Kupferstecher. Das 1513 entstandene Blatt mit dem humanistischen Motiv von „Ritter, Tod und Teufel“ führt dies eindrücklich vor Augen: Während der Tod eine Sanduhr als Metapher ablaufender Zeit in der Hand hält, reitet der Ritter sich dessen gewahr unbeirrt weiter. Ihm folgt auf dem Fuß die Fratze des Teufels. Das Motiv des Reiters geht auf das Modell Leonardo da Vincis zum Reiterdenkmal des Francesco Sforza zurück. Auf diesen ersten Meisterstich Dürers folgten 1514 die „Melancholie“ und „St. Hieronymus im Gehäuse“, mit denen der Nürnberger Meister christliches Handeln und Entscheiden exemplarisch vorführt. Mit einem Schätzpreis von 40.000 Euro ist der gegensatzreiche Druck „Ritter, Tod und Teufel“ das Spitzenlos der kommenden Auktion beim Berliner Versteigerer Bassenge.



Kunst des 15. bis 17. Jahrhunderts

Nach 1497 fertigte Dürer die weibliche Allegorie des Traumes. Anschaulich wird „Der Traum“ dem Schlafenden durch einen Ohrenbläser überbracht (Taxe 15.000 EUR). Als Holzschnitt entstand um 1496/98 Dürers „Herkules“ in zeitgenössischer Ritterrüstung (Taxe 3.500 EUR). Für den Reichtum an Sinnbildern benötigten die Künstler Vorlagenblätter. Eine solche 57 Blätter umfassende Sammlung von „Musterblättern für Plafonds, Fenster, Portale, Karyatiden, Möbel und Groteskenornamente“ lieferte Jacques Du Cerceau (Taxe 4.000 EUR). Als Vorlage zu dem Stich „Venus sucht Rat bei Juno und Ceres“ von Marco Dente diente eine Zeichnung Raphaels, die heute in der Wiener Albertina bewahrt wird (Taxe 3.000 EUR). Gleichfalls nach Raphael entstanden „Die sieben Freien Künste“ von Giulio Bonasone (Taxe 3.500 EUR). Einen weiteren Italiener zum Vorbild hat die mythologische Szene „Die Zyklopen in der Schmiede“ von Cornelis Cort: Für den Kupferstich lieferte Tizian die Vorlage (Taxe 3.000 EUR). Gian Giacomo Caraglio entlehnte seinen Kupferstich „Saturn und Philyra“ Rosso Fiorentino (Taxe 3.000 EUR).

Unter den Blättern von Jacques Callot fallen die „Balli di Sfessania“ – 24 Radierungen mit Figuren aus der Commedia dell’ arte zu 2.500 Euro - sowie zwei Darstellungen von Seeschlachten auf. Die im Auftrag Ludwigs XIII. 1628 ausgeführten „Siège de la Citadelle de St-Martin dans L’lle de Rè“ und die „ Siège de la Rochelle“ werden auf jeweils 4.500 Euro geschätzt. Besonders schön sind die Blätter „Vierundzwanzig Köpfe von Bauern und Bäuerinnen“ nach dem ebenso der Groteske verpflichteten Pieter Brueghel d. Ä. (Taxe 6.000 EUR). Derb geht es auf der Rötelzeichnung „Bauernpaar in einem Interieur“ von Cornelis Dusart zu (Taxe 3.200 EUR). Israhel van Meckenem, bekannt für seine Moriskentänze, entlehnte „Die vierte törichte Jungfrau“ bei Martin Schongauer (Taxe 3.500 EUR). Von Schongauer selbst wird der figurenreiche Kupferstich „Christus vor Annas“ mit einer Taxe von 4.000 Euro bewertet.

Die Radierung „Die Hl. Familie“ des Miniaturen malenden Franziskanermönchs Fra Bonaventura Bisi entstand nach Parmigianino (Taxe 3.500 EUR). Jedoch nicht nur auf „il Padre Pitturino“ übte Parmigianino Einfluss aus, sondern auch auf Tintoretto oder El Greco. Die zweite Fassung von Parmigianinos Radierung „Die Grablegung“, entstanden um 1529, findet ihren Niederschlag im Schaffen des Venezianers und des Griechen (Taxe 10.000 EUR). Von Hendrick Goltzius werden drei Kupferstiche mit den liebreizenden Göttinnen Minerva, Venus und Juno für 3.000 Euro angeboten. Und als eines der Hauptlose mit einem Schätzpreis von 20.000 Euro darf ein Kupferstich aus zwei Platten von Jan Harmensz Muller von 1597 gelten: „Die Künste fliehen vor den Barbaren in den Olymp“. Die Sinnbilder der Malerei, Skulptur und Architektur entschweben eben vor türkischen Kriegern in den Olymp. Damit veranschaulicht Muller als Vertreter des Goltzius-Stils zugleich die politische Situation der in den Türkenkrieg verwickelten Habsburger. Nicht zuletzt verschafft der blütenblasende Westwind Zephir den Auftrieb der Musen.

Bei 20.000 Euro liegen ebenfalls die Erwartungen für Rembrandts „Christus in Emmaus“. Von den 25 zu Gebote stehenden Losen des Amsterdamer Meisters fällt weiterhin die lichte Radierung „Die Hütte hinter dem Plankenzaun“ mit einer Taxe von 18.000 Euro auf. „Die kleine Löwenjagd“ ist fast ganz in ein Hell- Dunkel organischer Liniengefüge aufgelöst (Taxe 6.000 EUR). 1634 porträtierte sich Rembrandt in der Radierung „Selbstbildnis mit Federbusch“ (Taxe 12.000 UR). Die aufmerksam „Lesende“ von 1634 soll den selben Wert einspielen. Und nach einem Selbstbildnis Rembrandts entstand Johannes van Vliets „Bildnis von Rembrandt im Dreiviertelprofil nach links“, das die Augenpartie fast vollständig verschattet (Taxe 3.000 EUR).

Um eine Handzeichnung mit brauner Feder handelt es sich bei Lambert Lombards „Vergil im Korb“ vor reicher Renaissancearchitektur (Taxe 9.000 EUR). In Rötel hat Salvator Rosa die Studie von zu einem Gemälde mit der Auffindung von Romulus und Remus ausgeführt (Taxe 16.000 EUR). Es ist bisher nicht bekannt, ob das Gemälde ausgeführt wurde. Weitere Skizzen zu diesem Thema existieren jedenfalls in Frankfurt, Leipzig und Norfolk. Von einer breiten Kartusche mit Akanthusornamentik ist „Die Madonna mit Kind“ des in Florenz als Goldschmied tätigen Giuliano Tofani umfasst (Taxe 1.200 EUR).

Kunst des 18. Jahrhunderts

Auch in der Kunst des 18. Jahrhunderts gibt es noch Anknüpfungen an Parmigianino, wie Antonio Belemos Holzschnitt „Apoll mit den Bogen schießend“ belegt (Taxe 400 EUR). Mit brauner Feder zeichnete Pompeo Girolamo Batoni „Die Muse Urania“ mit einer Armillarsphäre (Taxe 2.400 EUR). Zahlreiche Veduten und auch ein Blatt der „Carceri“ schickt Giovanni Battista Piranesi ins Rennen. So ist die Radierung „Veduta degli avanzi de tempio della pace“ mit einem Schätzpreis von 2.500 Euro bewertet. Ebenso wie bei Piranesi gibt es bei Vater und Sohn Tiepolo Anklänge an das Groteske und das Capriccio. „Die Predigt Johannes des Täufers“ von Sohn Giovanni Domenico überzeichnet so manche Figur in der heiteren Landschaft (Taxe 2.400 EUR). Nicht groteske, sondern ideale anatomische Darstellungen waren die skelettierten Figuren mit Landschaftshintergründen Jan Wandelaars. Die Radierung Charles Grignions I nach Wandelaar ist mit 1.800 Euro taxiert.

Kunst des 19. Jahrhunderts

Eine kleine Radierung von Paul Cézanne fällt unter der Kunst des 19. Jahrhunderts auf: Tête de jeune Fille“ von 1873 (Taxe 900 EUR). Bars und Tänzerinnen hatten es Henri de Toulouse-Lautrec angetan. Die Farblithografie „Irish and American Bar, Rue Royale - The Chap Book” als Plakat für die amerikanische Literaturzeitschrift wird auf 9.000 Euro geschätzt. Dagegen hatte es Paul Gauguin in die Südsee verschlagen. Der Holzschnitt „Noa Noa“ mit der Sehnsucht nach ursprünglichem, nicht kulturell überformten Leben zeugt davon (Taxe 2.000 EUR). Atmosphärisch wurde die Kreidestudie Adolph von Menzels, die zwei heimische Damen darstellt, durch Verreiben der Zeichnung (Taxe 12.000 EUR).

Nach Karl Friedrich Schinkels „Decorationen auf den beiden Königlichen Theatern in Berlin“ entstanden sechs Aquatintaradierungen (Taxe 3.000 EUR). Die bunten „25 Bühnenbildentwürfe für das Weimarer Hoftheater“, von Carl Fischer in Öl, Gouache und Aquarell ausgeführt, haben einen Schätzpreis von 5.000 Euro. Nach der Druckgrafik und den Zeichnungen schließt sich eine kleine Abteilung mit Ölgemälden an. Auf die Ruinenentwürfe Caspar David Friedrichs verweist die „Gotische Kirchenruine zwischen Bäumen“ von Carl Wizani (Taxe 2.600 EUR). Das Bild „Gotisches Rathaus und vorderer Teil des langen Marktes in Danzig“ malte 1852 Carl Gustav Rodde als eindrucksvolle Stadtsilhouette (Taxe 6.000 EUR). Ein biedermeierliches Idyll schuf Hans Dahl 1888 mit dem „Lauschenden Schäfer“: Drei Mädchen in einem sonnendurchfluteten Fjord beobachten den scheinbar Schlafenden (Taxe 12.000 EUR).

Kunst in Augsburg von 1500 bis 1800

Zwei gesonderte Kataloge widmet Bassenge der „Kunst in Augsburg“, die am 3. Dezember zum Aufruf kommt, und der „Sammlung historischer Spielkarten“, die am 6. Dezember zum Verkauf ansteht. Gleich zwei Darstellungen von „Diana und Aktäon“ finden sich im Augsburger Katalog: Johann Heinrich Schönfelds figurenreiches Gemälde, das die typische Badeszene zeigt, entstand um 1660 (Taxe 15.000 EUR). Die zweite Komposition stammt von Johann Heiss und ist als intime Zwiesprache der beiden gestaltet (Taxe 12.000 EUR). „Das Martyrium des hl. Venantius von Camerino“ skizzierte Johann Wolfgang Baumgartner um 1753 in Öl auf Leinwand (Taxe 9.000 EUR). Einer weiteren mythologischen Szene widmete sich Hans Friedrich Schorer mit der ornamentalen braunen Federzeichnung „Herkules im Kampf mit dem nemäischen Löwen (Taxe 1.200 EUR). Als graue Federzeichnung führte Felix Vitus Rigl „Absalom lässt seinen Halbbruder Amnon an der Tafel ermorden“ in barocker Festpracht aus (Taxe 6.000 EUR). Joseph Klauber notierte in 100 Kupferstichen „Biblische Geschichten des Alten und Neuen Testaments“ (Taxe 2.400 EUR).

Sammlung historischer Spielkarten

Bei den Spielkarten ist das Spitzenlos ein Minchiate-Spiel aus 97 Karten. Dargestellt sind neben den üblichen Tarockbildern die vier Elemente ebenso wie die Tugenden. Seine Herkunft ist aus Florenz des 17. oder 18. Jahrhunderts (Taxe 7.000 EUR). Theaterszenen aus verschiedenen Almanachfolgen von Daniel Nikolaus Chodowiecki sind auf Tarock-Karten aus Nürnberg um 1790 dargestellt (Taxe 4.000 EUR). Bei dem zum Kartenspiel zugehörigen Gerät fällt eine Kartenpresse mit zugehörigem Kartenspiel aus der Gründerzeit auf. Die Presse ist reich in Ätztechnik dekoriert (Taxe 1.200 EUR). Ein achteckiger Lackholzkasten dient als „Spielkarten Kasten“. Dieser ist reichhaltig mit Chinoiserien in Goldmanier verziert (Taxe 3.000 EUR).

Am 2. Dezember kommen bei Bassenge die Lose der Kunst des 15. bis 19. Jahrhunderts zum Aufruf. Am 3. Dezember können die „Kunst in Augsburg 1500- 1800“, sowie die Miscellaneen & Trouvaillen des 15. bis 19. Jahrhunderts erworben werden. Die Sammlung historischer Spielkarten kommt am 6. Dezember zum Aufruf. Dazwischen mischt sich noch am 3. Dezember die Fotografie und am 4. Dezember die Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 29. Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr, am 30. November von 10 bis 20 Uhr und am 1. Dezember für auswärtige Besucher von 10 bis 17 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.bassenge.com abrufbar.

Kontakt:

Galerie Gerda Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: art@bassenge.com

Startseite: www.bassenge.com



30.11.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Boehl

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