Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 18.09.2010 Auktion 32 - Stuttgarter Sonderauktion in der Galerie Valentien

© Auktionshaus Lehr

Anzeige

Gebrochenes Band / Hermann Glöckner

Gebrochenes Band / Hermann Glöckner
© Galerie Döbele - Dresden


Anzeige

Baumallee im Winter / Friedel Anderson

Baumallee im Winter / Friedel Anderson
© Kunsthandel Hubertus Hoffschild


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.de

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Rudolf Stingels "Home Depot" in Frankfurt

Damast und Dämmplatten



Sigmar Polke, Roter Fisch, 1992

Sigmar Polke, Roter Fisch, 1992

Dass ein Hersteller von Luxus-Armaturen der Baumarkt-Konkurrenz zu musealen Weihen verhelfen soll, erscheint auf den ersten Blick widersinnig. Tatsächlich ist es auch ganz anders: Mit Rudolf Stingels „Home Depot“ setzt sich die 2002 im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt mit Martin Boyces „For 1959 Capital Avenue“ begonnene Reihe der Dronbracht Installation Projects fort. Ursprünglich in Kooperation mit dem Kunstverein Köln initiiert, ermöglicht diese Public Private Partnership im jährlichen Turnus dem MMK die Präsentation einer zeitgenössischen Installation und darüber hinaus den Erwerb eines Werkes des jeweils geladenen Künstlers. Hatte Boyce die zentrale Halle des MMK mit repräsentativen Designer-Möbeln bestückt, kleidet Stingel den die Spitze des tortenstückförmigen Gebäudes bildenden Raum auf der zweiten Ebene neu ein. Dazu bedient er sich schlichter Isolierplatten aus dem Baumarkt. Bereits der Titel seiner Arbeit – Home Depot – spielt auf die Herkunft seiner Materialien an. Home Depot nämlich ist der Name des amerikanischen Baumarktgiganten, der nicht nur dem Heimwerker alles Nötige liefert.



Der Ausdruck, den Stingel mit diesem einfachen Baustoff erzielt, ist allerdings keineswegs schlicht. Dazu trägt zum einen der Silberglanz der folienbeschichteten Isolierplatten bei, zum anderen die Ornamentstruktur, die Stingel im Siebdruckverfahren mit roter Farbe aufgetragen hat. Die Muster sind den in aufwendigem Webverfahren hergestellten Damaststoffen abgeschaut ist.

Die Kostbarkeit dieser Stoffe überträgt sich auch auf Stingels Raumkonzept. Im monumentalen Einsatz allerdings büßt das Material seinen preziösen Charakter teilweise ein, zumal auch der Besucher sich angesichts des Raumes eines zwiespältigen Eindrucks nicht erwehren kann: die Anmutung ähnelt einer Mischung aus Pralinenschachtel und bürgerlicher Wohnkultur. Gleichzeitig stellt sich Scheu ein, die rot-ornamentierte Fläche zu betreten. Schuld daran ist die Fragilität des Materials. Das mehr zu ahnende als tatsächlich hörbare Knistern der Folie unter den Füßen lässt Beschädigung befürchten. Und tatsächlich zeichnen sich auf dem Boden schon die ersten Spuren eingedrückter Schuhabsätze ab, die stellenweisen sogar ein Abblättern der Silberfolie nach sich ziehen. Zukünftige Besucher werden die Abnutzung – ja sogar Zerstörung – weiter vorantreiben.

Was der Unkundige jedoch nicht ahnt, ist, dass dies vom Künstler förmlich erwartet wird. Bereits bei seinem ganz mit Silberfolie ausgeschlagenen Raum zur Biennale 2003 in Venedig hatte Stingel die Veränderung der Installation durch die Besucher erprobt. Hatten anfänglich einige Verwegene vorsichtig und fast heimlich ihre Signaturen hinterlassen, war gegen Ende der Ausstellung der gesamte Raum mit Zetteln von Besuchern bespickt, mit Kommentaren oder auch einfach nur Botschaften versehen. Auch jetzt hat Stingel die Mittäterschaft der Museumsbesucher einkalkuliert, zumal das solchermaßen gezeichnete Material nach Abbau der Installation in spätere Arbeiten Stingels einfließen wird.

Dass das MMK möglicherweise eine andere Autorität als eine temporäre Schau ausstrahlen und eine mitgestaltende Anteilnahme verhindern könne, bereitet dem Künstler kein Kopfzerbrechen. Er setzt auf die Empfindlichkeit des Materials, dass das seinige beitragen werde. Den Verletzungen beim Betreten kann es sich schließlich nicht entziehen. Nun wäre noch einzuwenden, dass der Prozess in Vandalismus umschlagen und sich dem „Roten Fisch“ von Sigmar Polke mitteilen könne. Hier jedoch vertraut Stingel auf das Aufsichtspersonal, dass die Anteilnahme der Kunstfreunde in die richtigen Bahnen lenken wird.

Was aber hat Polkes Arbeit überhaupt inmitten des Stingel-Raumes zu suchen? Kommt es hier nicht unweigerlich zu Konkurrenzen zwischen den Stilmitteln und letztendlich auch der Bekanntheit der Künstler? Tatsächlich hat Stingel mit dem „Roten Fisch“ von Polke absichtstvoll einen Akzent gesetzt. Bewusst konfrontiert er damit ein in den Kanon anerkannter Kunst aufgenommenes Werk mit seiner eigenen Arbeit, die ihrerseits die Stellungnahme des Betrachters herausfordert und damit die Gratwanderung vor Augen führt, die zeitgenössische Kunst zwischen Anerkennung und Ablehnung beschreitet.

Aber auch Rudolf Stingel zeigt, dass er sich durchaus aufs Artifizielle versteht. Dem „Polke“ gegenüber hat er eine eigene Bildtafel angebracht – ein mit traditionellen Mitteln gestaltetes Triptychon. Wie über den gesamten Raum, breitet sich auch hier das Damaszener Motiv aus, doch diesmal in einem komplizierten - zwischen Malerei, handwerklichem Geschick und technischer Raffinesse changierenden - Verfahren aufgebracht. Auf eine dicke Ölfarbschicht wurde mit Gaze das Motiv geprägt, mit Silberbronze übersprüht und anschließend die Gaze vorsichtig wieder abgezogen. Dieser letzte Schritt entzieht sich der Kontrolle des Künstlers und durchbricht damit die industriell gefertigte Gleichförmigkeit der Muster. Auch hinterlässt die Gaze ihre porige Webstruktur auf der Oberfläche.

Abschließend bleibt noch zu fragen, wie der exorbitante Einsatz von Silber zu erklären ist, der sich in Stingels Werk auffällig bemerkbar macht. Silber, so der Künstler, sei keine Farbe. Also eine Flucht vor der Farbe? „Ja, in gewisser Weise könne man das so sehen,“ räumt er ein. Irgendwann habe er sich nicht mehr zwischen den Farben entscheiden können, war an ihrer Gewichtung irre geworden und sei daraufhin auf Silber ausgewichen. Doch die Skepsis gegenüber der Farbe weicht allmählich und Stingel denkt über Gold nach, wenngleich dieses ikonographisch auch weit mehr aufgeladen ist als Silber.

Neben „Home Depot“ von Rudolf Stingel, das vom 28. Februar bis zum 15. August 2004 zu sehen sein wird, sind im gleichen Zeitraum auch die Arbeiten Peter Roehrs aus dem Besitz des MMK ausgestellt. Öffnungszeiten: täglich außer Montag von 10 bis 17 Uhr und Mittwoch von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro, reduziert 3 Euro.

Kontakt:

Museum für Moderne Kunst

Domstraße 10

DE-60311 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 212 30 447

Telefax:+49 (069) 212 37 882

E-Mail: mmk@stadt-frankfurt.de

Startseite: www.mmk-frankfurt.de



03.03.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viola Hildebrand-Schat

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


28.02.2004, Home Depot - Rudolf Stingel

Bei:


Museum für Moderne Kunst

Variabilder:

Sigmar Polke, Roter Fisch, 1992
Sigmar Polke, Roter Fisch, 1992

Variabilder:

Rudolf Stingel, O.T., 2004
Rudolf Stingel, O.T., 2004

Variabilder:

Rudolf Stingel, Home Depot, 2004
Rudolf Stingel, Home Depot, 2004

Künstler:

Rudolf Stingel






Rudolf Stingel, O.T., 2004

Rudolf Stingel, O.T., 2004

Rudolf Stingel, Home Depot, 2004

Rudolf Stingel, Home Depot, 2004




Copyright © '99-'2010
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

Oelbilder vom FotoFreimaurer in Krefeld, Johannisloge EOS  Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce Art Cologne 2010 Katalog Weinhandel Falstaff Frankreich Italien Spectator The Wine Advocat