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Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt – Teil 3

Christiansen, Huber, Habich



Leuchtende Pastelle und Farbverglasungen, präsentiert im Rahmen der 1. Darmstädter Kunst- und Gewerbeausstellung 1898, haben Großherzog Ernst-Ludwig auf den in Paris lebenden Maler Hans Christiansen (1866-1945) aufmerksam werden lassen. Um den gebürtigen Flensburger für die Künstlerkolonie zu werben, begab sich der Großherzog persönlich nach Paris.



Hier in der Metropole der Kunst hatte Christiansen die Einflüsse der Impressionisten und der Nabis in sein deutlich von der „Neuen Kunst“ geprägtes Werk aufgenommen. Seinem Faible für Frauendarstellungen und den fliesenden Formen blieb Christiansen auch in Darmstadt treu, wenngleich sich seine Stillleben und Portraits am spätimpressionistischen Stil orientierten. Auf der Mathildenhöhe entwarf der Maler Möbel, Schmuck, Keramik, Glas und Metallobjekte sowie Textilien. Die umrisshaft stilisierte Rose wurde zu seinem „Markenzeichen“.

1902 schied Christiansen aus der Künstlerkolonie aus und lebte als Maler und Designer in Darmstadt und Paris. 1912 zog er nach Wiesbaden, wo er sich der Schriftstellerei widmete und als Portraitmaler schnell Erfolg hatte. Weil er sich von seiner jüdischen Frau Claire nicht scheiden lassen wollte, entzog im das Reichskulturamt während des Dritten Reiches die Malerlaubnis und damit die Existenzgrundlage.

Am Übergang vom Historismus zu den Anfängen des neuen Stils stand der 21jährige Innenarchitekt Patriz Huber, als ihn Ernst Ludwig für die Künstlerkolonie gewinnen konnte, obwohl alle Arbeiten nur im Entwurfsstadium vorlagen. In Anlehnung an Henry van de Veldes Gestaltungsprinzipien entwickelte Huber eine konstruktiv-lineare Formensprache. Seine gutverarbeiteten Möbel zeichneten sich durch wohl proportionierte Formen ohne Schnörkel aus. Den besonderen Effekt erzielte Huber durch die Wahl der Holzmaserung- und tönung sowie durch unaufdringliche, flache Schnitzereien.

Als auch sein Vertrag 1902 nicht verlängert wurde, zog Huber nach Berlin, eröffnete ein Atelier und erhielt zusammen mit seinem Bruder den Auftrag für eine Villenkolonie, die jedoch nie über die Planungsphase hinauskam. Eine unglückliche Liebesaffäre veranlasste den hoffnungsvollen Künstler, im Alter von 24 Jahren seinem Leben ein Ende zu setzen.

Seine reizvollen, stilistisch und motivisch dem Jugendstil zuzuordnenden Kleinplastiken und Objekte haben die Aufmerksamkeit während der ersten Darmstädter Kunst- und Kunstgewerbeausstellung auch auf Ludwig Habich (1872-1949) gelenkt. Als Portraitist hatte der Bildhauer bereits Kontakte zum großherzoglichen Hof gepflegt. Während seiner Zeit auf der Mathildenhöhe schuf Habich Bronzeplastiken, figürliche Gebrauchsgegenstände, keramische Gefäße, Metallarbeiten und Schmuckstücke. Für das Ernst-Ludwig-Haus fertigte er um die Jahrhundertwende die beiden monumentalen Figuren „Mann“ und „Frau“ rechts und links des Omega-Portals.

1906 folgte Habich einem Ruf an die Technische Hochschule in Stuttgart, von der er später an die dortige Kunstakademie wechselte. 1937 kehrte der in Darmstadt geborene Künstler in seine Heimatstadt zurück, um bis zur Zerstörung seines Hauses 1944 auf der Mathildenhöhe zu leben. Seinen Lebensabend verbrachte er in Jugenheim, wo er 1949 starb.

In den 15 Jahren ihres Bestehens, von der Begründung der Künstlerkolonie 1899 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, arbeiteten außer jenen ersten Sieben noch weitere 16 Künstler an der Umsetzung jenes ehrgeizigen Reformprojektes und stellten ihre Entwürfe in weiteren Ausstellungen zur Diskussion. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendete nicht nur die vierte Ausstellung im Jahre 1914 vorzeitig, er bedeutete gleichzeitig das Aus für die Künstlerkolonie, wenngleich sie erst in den zwanziger Jahren formell aufgelöst wurde. Die veränderte politische Situation - Großherzog Ernst-Ludwig hatte abgedankt und das Land litt finanziell stark unter den Kriegsfolgen - stand einer Neubelebung des innovativen Künstlerzentrums entgegen, womit es bis nach dem Zweiten Weltkrieg sehr still um die Mathildenhöhe als künstlerischem Experimentierfeld wurde.



28.03.2001

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Petra Jendryssek

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Patriz Huber (1878-1902)
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Patriz Huber, Schrank, 1899
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Patriz Huber (1878-1902)

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Patriz Huber, Schrank, 1899

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