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Das Museum am Ostwall ist ins Dortmunder U umgezogen und eröffnet sein neues Zuhause an diesem Wochenende. Damit geht der letzte große Museumsneubau der Kulturhauptstadt Ruhr an den Start

Vom Oberbergamt in die Brauerei



Die Dachpergola auf dem Dortmunder U

Die Dachpergola auf dem Dortmunder U

Unweit des Dortmunder Hauptbahnhofes liegt eines der Wahrzeichen des Ruhrgebietes. Nach Plänen des Architekten Emil Moog ist 1926/27 das imposante Gär- und Lagerhochhaus im funktionalen Duktus der neuen Sachlichkeit für die Dortmunder Union-Brauerei errichtet worden. Dann entwarf der bekannte Architekt und Designer Ernst Neufert als Firmenlogo das 1968 auf die Dachspitze gesetzte vergoldete vierseitige U. Die abgestufte Dachzone darunter wird gitterartig von einer einprägsamen Dachpergola kaschiert. Weithin sichtbar flimmern dort Videosequenzen in den gerahmten Feldern. Das U wird mal zum riesigen Aquarium, zum Taubenschlag oder zur Umlaufbahn des Sechs-Tage-Rennens. Kreiert hat dieses Kunstwerk aus fliegenden Bildern der Dortmunder Filmregisseur und -produzent Adolf Winkelmann. Unverkennbar ist, dass nach dem Auszug der Brauerei 1994 der monumentale Block heute Institutionen der Kunst und Kultur beherbergt.


In Etappen sollen bis Anfang 2011 künstlerisch-wissenschaftliche Institutionen das für rund 50 Millionen Euro denkmalgerecht von dem Dortmunder Architekturbüro Gerber hergerichtete, neue Flagschiff der Kulturhauptstadt Metropole Ruhr beziehen. In den letzten Wochen hat schon das Museum am Ostwall seine Dauerausstellung in der vierten und fünften Etage aufgeschlagen. Heute wird hier die Eröffnung gefeiert. Das sechste Stockwerk ist Sonderausstellungen vorbehalten. Die gemeinsam mit dem Pariser Centre Pompidou konzipierte Eröffnungsschau „Die Bewegung der Bilder. Kunst und Kino von 1950 bis heute“ beginnt dort am 18. Dezember. Zuvor wird im November die „Kathedrale“ auf der Spitze eröffnet, der von kolossalen Balkenkonstruktionen und Gewölbetonnen überfangene Veranstaltungsbereich im obersten, siebten Geschoss mit umfänglicher Aussicht auf die Stadt.

Alle Institutionen, auch das Museum, werden über ein gemeinsames Foyer im Erdgeschoss erschlossen, von dem ein zentrales Treppenhaus mit Rolltreppen und Aufzügen alle Etagen ansteuert. Von der separaten zweigeschossigen Vorhalle des Museums aus vermittelt eine interne Treppe zwischen den beiden Ebenen der Dauerausstellung. Neben den Vorgaben des Sammlungsbestandes bilden die massiven Unterzüge der Decke sowie das Raster der Betonpfeiler die entscheidenden Bezugspunkte für maßgeschneiderte Einbauten. Auf der unteren Ebene windet sich der Besucher durch ein Gewirr aus kleinteiligen Kabinetten, die als Häuser aufzufassen sind und zwischen denen enge Gassen vermitteln. Die obere Dauerausstellungsebene gibt sich mit größeren Räumen und Plätzen weniger dicht konzipiert. Die reversiblen, aber keineswegs kurzlebigen weiß gefassten Einbauten unterstreichen den Charakter als Häuser, da sie zur Decke deutlichen Abstand halten. Insgesamt 1.700 Quadratmeter Präsentationsfläche stehen hier zur Verfügung, lediglich 100 mehr als im alten Oberbergamt am Ostwall, wobei hier noch die separate Wechselausstellungsetage hinzukommt.

Der Sammlungsbestand des 1949 gegründeten Museums am Ostwall mit den Schwerpunkten in den Bereichen Happening, Fluxus, Konkrete Poesie, Multiples vereint die Idee der Aufhebung vom Künstlergenie einerseits und bloßen Rezipienten andererseits. Schon in der Eingangshalle wird dies mit der Arbeit „Das Geschenk“ betont, bei der im Jahr 2000 Jochen Gerz 4.800 Menschen porträtierte. Ohne das Mittun dieser vielen „Fotomodelle“ hätte sie nicht entstehen können. Dort beginnt der Weg durchs Museum vorbei an Arbeiten, Objekten, Relikten und Handlungsanweisungen des Fluxus und Happening der 1960er und 1970er Jahre, in deren Mittelpunkt eine raumgreifende Arbeit von Beuys-Schüler Anatol Herzfeld steht.

Über den Nouveau Réalisme, das Informel, ZERO und zahlreiche Multiples kehrt der Besucher dann zeitlich zum Expressionismus zurück. Hier findet sich eine Reihe erlesener Gemälde unter anderem von Max Beckmann, Alexej von Jawlensky, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller oder August Macke, dessen Triptychon „Großer Zoologischer Garten“ von 1912 ein wahrer Augenschmaus ist. Dann folgen das interaktive Bildarchiv und das MO-Schaufenster, die Ausstellungsfläche für junge Künstler. Vorbei an Werken der Abstraktion und des Informel, vertreten durch Ernst Wilhelm Nay oder Fritz Winter, ZERO-Arbeiten von Otto Piene bis Adolf Luther, am 1963 kreierten „Plattenschaschlik“ von Nam June Paik und Man Rays „Obstruktion“, eine Wolke aus hängenden Bügeln, gelangt der Besucher wieder in die zweigeschossige Eingangszone. Häufig sind die künstlich belichteten, fensterlosen Räume vom zentralen Treppenhaus einsehbar, was den erwünschten „Schaufenstereffekt“ nach sich zieht.

Auf der oberen Ebene setzt der Rundgang erneut mit der Fluxus-Bewegung der 1960er Jahre ein. Erstmals seit 20 Jahren wird Wolf Vostells raumgreifende Installation „TEK (Thermoelektronischer Kaugummi)“ aus dem Jahr 1970 samt anschließenden, ebenfalls begehbaren „Betonzimmer“ wieder gezeigt. Danach folgen Räume mit Werkgruppen von Dieter Roth, Joseph Beuys bis hin zu Martin Kippenbergers gebogener „Laterne an Betrunkene“ aus dem Jahr 1988. Arbeiten zeitgenössischer Künstler, darunter von Anna und Bernhard Blume, Tobias Zielony oder Freya Hattenberger, gipfeln in dem raumfüllenden Gruselkabinett „Frankenstein in the Age of Biotechnology“ aus dem Jahr 1991, mit dem Mark Dion dem Gast zum Abschluss einen kalten Schauer über den Rücken jagt.

Die Kunstwerke werden durch digitale Medienstationen ergänzt, die mit Fotografien, Texten, Filmen und Interviews über ihren Entstehungszusammenhang informieren. In einem als Erker ausgebildeten, trichterförmigen Klangkunstraum mit großem Panoramafenster stehen Soundarbeiten bereit. Die Bibliothek samt grafischer Sammlung ergänzt die Dauerausstellungsetagen, ist ebenfalls schwalbennestartig als Erker ausgebildet und gewährt nach all der Kunst mit einem Panoramafenster einen entspannenden Blick über die Stadt.

Leitidee des nun unter „Museum Ostwall im Dortmunder U“ firmierenden Institutes ist das „Museum als Kraftwerk“. Statt Frieden und Beschaulichkeit soll der Ort eine Stelle der ästhetischen Reflektion und Auseinandersetzung über historische, soziale, politische, architektonische und stadtplanerische Aspekte aus Gegenwart und für die Zukunft sein. Als Speicher der Vergangenheit möchte das Museum zugleich Ort aktueller künstlerischer wie gesellschaftlicher Produktivität sein. Insbesondere im Zusammenwirken mit den anderen Einrichtungen im U, etwa den Universitätsinstituten oder dem Zentrum für kulturelle Bildung, verspricht sich das Museumsteam unter Kurt Wettengl tief greifende Befruchtungen. Das „Museum Ostwall im Dortmunder U“ beinhaltet aufgrund der speziellen Sammlungsgeschichte und der Beheimatung im Herz einer alten Montanregion eine individuelle Ausprägung. Man darf gespannt sein, wie sich die Aktivitäten unter der neuen „Krone des Kohlenpotts“ weiter entwickeln werden.

Das Museum Ostwall im Dortmunder U ist dienstags und mittwochs von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags von 10 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Im Dezember wird eine dreibändige Publikation zum Museum und zum U erscheinen.

Kontakt:

Museum Ostwall im Dortmunder U

Leonie-Reygers-Terrasse

DE-44137 Dortmund

Telefon:+49 (0231) 50 23 24 8

Telefax:+49 (0231) 50 25 24 4

Telefon:+49 (0231) 50 23 24 7



08.10.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Museum Ostwall im Dortmunder U

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Ausstellungsauftakt im Museum Ostwall im Dortmunder U

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Blick in die untere Dauerausstellungsebene
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Raumansicht des Museums Ostwall im Dortmunder U
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Nam June Paik, Schallplattenschaschlik, 1963/80
Nam June Paik, Schallplattenschaschlik, 1963/80

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August Macke, Großer Zoologischer Garten, 1912
August Macke, Großer Zoologischer Garten, 1912

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Blick in die „Kathedrale“ – krönender Abschluss und Panoramaraum im Dortmunder U
Blick in die „Kathedrale“ – krönender Abschluss und Panoramaraum im Dortmunder U

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Die Dachpergola auf dem Dortmunder U
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Blick in die „Kathedrale“ – krönender Abschluss und Panoramaraum im Dortmunder U

Blick in die „Kathedrale“ – krönender Abschluss und Panoramaraum im Dortmunder U

August Macke, Großer Zoologischer Garten, 1912

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Blick in die untere Dauerausstellungsebene

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Raumansicht des Museums Ostwall im Dortmunder U

Raumansicht des Museums Ostwall im Dortmunder U

Nam June Paik, Schallplattenschaschlik, 1963/80

Nam June Paik, Schallplattenschaschlik, 1963/80




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