Neuer Baselitz für die Berlinische Galerie  |  | Georg Baselitz, Ein moderner Maler (Remix), 2007 | |
Die Berlinischen Galerie freut sich über einen bedeutenden Sammlungszuwachs. Mit Hilfe von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen Bahn AG konnte das Museum „Ein moderner Maler (Remix)“ von Georg Baselitz aus dem Jahr 2007 erwerben. Schon Baselitz’ Ursprungsbild „Ein moderner Maler“ von 1966, an das dieser „Remix“ anknüpft, befindet sich im hauseigenen Bestand. Die Berlinische Galerie ist damit das einzige deutsche Museum, in dem nunmehr auf Dauer eine direkte Gegenüberstellung eines herausragenden Frühwerks von Baselitz mit seinem rund vierzig Jahre späteren „Remix“ gezeigt werden kann. Seit 2005 geht Baselitz in dem Zyklus der großformatigen „Remix“-Bilder dem eigenen legendären Frühwerk der 1960er Jahre nach und hat zum ursprünglichen „Modernen Maler“ mindestens sieben neue Interpretationen geschaffen. Sechs dieser „Remixe“ befinden sich inzwischen in internationalen privaten und öffentlichen Sammlungen. Die siebte Version gehörte zur unveräußerlichen Privatsammlung des Künstlers. Nur für den speziellen Sammlungszusammenhang in der Berlinischen Galerie war Baselitz bereit, sich davon zu trennen.
„Ein moderner Maler“ von 1966 ist ein figurativ-expressives Bild, das aus einer Gegenhaltung zur damals alles beherrschenden internationalen Weltsprache der gestischen Abstraktion entstand. Darin nimmt Georg Baselitz autobiografische Bezüge auf: die verlorene, einsame Existenz des Künstlers. Das Gepäck deutscher Geschichte auf dem Rücken, wühlt der zerlumpte und verdreckte Maler im dunklen Nichts nach seinen Wurzeln, den Schweineschwanz als Pinsel unterm Arm. Doch er gräbt nicht in Erdfurchen, sondern in weiblichen Geschlechtsteilen, das eigene in kreisender Bewegung entblößt. Im „Remix“ von 2007 ist das identische Motiv in formaler wie inhaltlicher Hinsicht völlig unterschiedlich ausformuliert. Während beim früheren Bild die Farbe mit schwerem expressivem Gestus pastos auf schwarzen Hintergrund aufgetragen ist, wird in der Neufassung der weiße Grund der Leinwand zum großflächigen Gestaltungselement, das auch durch die aquarellartig-lasierende, hell leuchtende Farbe hindurchschimmert.
Das tastende Suchen nach den Wurzeln der eigenen Existenz offenbart sich in der neuen Fassung tatsächlich ganz unverstellt als Graben nach sehr deutschen Wurzeln: Baselitz zeigt jetzt das Wurzelwerk einer Eiche von Caspar David Friedrich. Von der rebellischen, entwurzelten jungen Generation der Nachkriegszeit, die sich gegen die Elterngeneration und ihr Schweigen zu den eigenen Verstrickungen in die deutsche Geschichte stellt, gelangt Baselitz im Alterswerk zum Maler des vereinten Deutschlands, der in der Normalität europäischer Gegenwart angekommen und sich dabei seiner geschichtlichen Wurzeln bewusst ist. |