Thomas Zipps Totalinstallation in Kassel „Angesichts der Existenz von Gleichgültigkeit und angepassten, begrenzten, rauschhaften Zuständen wird heute der Widerstand gegen die Unwahrheit niemanden mehr interessieren.“ Dieser Ausspruch von Thomas Zipp kann auch als Gedanke über seiner aktuellen Ausstellung in der Kunsthalle Fridericianum stehen. Hierfür hat der 1966 in Heppenheim geborene Künstler einen Großteil seines künstlerischen Œuvres zu einer Gesamtinstallation verwoben, die nun in Kassel die Ausstellungsräume durchzieht. Zipp hat die sonst weißen Museumsräume in tiefem Schwarz steichen und verengte Gänge, gesäumt von verschlossenen und zugänglichen Kammern, einbauen lassen. Durch diese düstere Ästhetik sowie satirische Übertreibung evoziert er die Vision einer „psychiatrischen Anstalt“. Auch diesmal geben ihm Gut und Böse, Wahrheit und Lüge, Gott und Teufel, Norm und Abweichung, Körper und Geist, Obsession, Rausch, Grenzerfahrung, Seligkeit und Sexualität die thematischen Anstöße zur Fragestellung nach Norm und Abweichung, sozialer Ausgrenzung sowie der Einordnung des Selbst in die Gesellschaft.
Schon am Portal hat Thomas Zipp die großen Lettern durch den lateinischen Leitsatz „Mens sana in corpore sano“ ersetzt, das Foyer zur Eingangshalle der „Heilanstalt“ umgestaltet und in den weiträumigen Hauptflügeln sein malerisches und skulpturales Werk zu einem beklemmenden surrealen Parcours eingerichtet. Durch Abdunkelung und den gleichzeitigen Einsatz grellen Neonlichts erschafft er die Illusion langer unheimlicher Gänge, deren Türen zu Schlafsaal, Speisesaal, Küche, Waschraum und Toiletten, Sportsaal, Malwerkstatt, Direktorenzimmer und den verschiedene Behandlungsräumen führen. Sie münden in den jeweiligen Seitenflügeln in Großinstallationen einer Gummizelle, eines Turngeräteraums und eines Spiegelsaals. Damit transformiert Zipp den ältesten Museumsbau auf dem europäischen Kontinent, der 1779 als Ort der Kunst und Kultur im Geist der Aufklärung entstand.
Die Ausstellung „Thomas Zipp – (White Reformation Co-Op) Mens sana in corpore sano“ läuft vom 13. März bis zum 13. Juni. Die Kunsthalle Fridericianum hat mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog erscheint Ende April im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln.
Kunsthalle Fridericianum
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