Wiener MUMOK untersucht Fernsehen in der Kunst Was hat Künstler dazu getrieben, sich in den 1960er Jahren mit dem Fernsehen auseinanderzusetzen, und wie gehen sie mit den ökonomischen, technologischen und bewusstseinsbildenden Mechanismen dieses Massenmediums um? Diesen Fragen geht von heute an das Museum Moderner Kunst (MUMOK) in Wien nach, präsentiert dazu 120 Exponate von 1963 bis 1987 und gliedert sie in die vier Themenbereiche „Manipulationen des TV-Bildes – Techno-Utopien – Aktivismus“, „Die Logik des Ruhmes – KünstlerInnen/Stars/Subjekte“, „Die Sprache der Television und die (De-)Konstruktion von Information/Kommunikation“ und „Konsumismus – Unterhaltung – RezipientInnen“. Zusätzlich sind Gerry Schums Fernsehgalerie mit ihren konzeptuellen TV-Ausstellungen „Land Art“ und „Identifications“ sowie Andy Warhols gesamtes TV-Œuvre zu sehen.
Ab 1963 nahmen Nam June Paik, Stan VanDerBeek oder Wolf Vostell im Umfeld des Fluxus erste Fernsehmanipulationen vor, transformierten das Bild ästhetisch und wollten neue Formen der Partizipation sowie einen grundlegenden Wandel der bestehenden Kommunikationsstrukturen ermöglichen. Künstlerische und aktivistische Kollektive wie Ant Farm oder Raindance demonstrierten mit Medienperformances, wie das Fernsehen Inhalte aufbereitete und was es seinem Publikum vorenthielt. Angesichts der für das Fernsehen charakteristischen Verschränkung von Privatem und Öffentlichem schufen Künstler mit dem TV-Bild televisuelle Selbstdarstellungen und Identifikationsangebote. Während Andy Warhol vom öffentlichen Ruhm fasziniert war, legten etwa Yoko Ono und John Lennon die direkten Bezüge zur Warenlogik und Ökonomie der Marke offen.
In den 1970er Jahren widmeten sich konzeptuell arbeitende Kunstschaffende dem Verhältnis von Kunstraum und öffentlichem Medienraum. David Lamelas, Peter Weibel, Valie Export, Dan Graham, Sanja Ivekovic oder Dara Birnbaum untersuchten die Verbindungen von Kunst, Information und Kommunikation und konzentrierten sich auf die Sprache des Fernsehens und seine bewusstseinsbildenden Effekte. Im Zuge der rasant voranschreitenden Pluralisierung der Medienlandschaften wurden die Zuschauer von den Fernsehmachern zunehmend als ambivalente Konsumenten angesprochen. Ab 1970 rückten daher etwa Judith Barry, Michael Smith oder Ilene Segalove in verstärktem Maße die Paradoxien von Konsum und Unterhaltung ins Zentrum ihrer Arbeit.
Die Ausstellung „Changing Channels – Kunst und Fernsehen 1963-1987“ läuft vom 5. März bis zum 6. Juni. Das Museum Moderner Kunst ist täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7,20 Euro bzw. 6,50 Euro. Der Katalog zur Ausstellung ist in der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet 39,90 Euro.
Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig
Museumsplatz 1
A-1070 Wien
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