Bewegung in Basel Die Rekonstruktion historisch bedeutsamer Ausstellungen kommt bei Museen mehr und mehr in Mode. Jetzt hat sich das Museum Tinguely in Basel dazu entschlossen, die vom 6. bis 30. April 1955 in der Pariser Galerie Denise René stattgefundene Ausstellung „Le Mouvement“ wiederaufleben zu lassen. Hier und in dem begleitenden Manifest, das die theoretischen Grundlagen darlegte, wurde erstmals in aller Forciertheit die Bewegung, kombiniert mit Farbe, Licht und Zeit, als Ausdrucksmittel auch in der bildenden Kunst postuliert. Die kinetische Plastik hatte sich im Entwicklungsstrom der Kunstgeschichte festgebissen. Für manchen Künstler wurde diese sensationelle und bahnbrechende Schau zudem zum Sprungbrett in eine internationale Karriere.
Das gemeinsame Thema entwickelten die an der Ausstellung beteiligten Künstler in ihren wandfesten Reliefs und freiplastischen Skulpturen auf unterschiedliche Weise. Objekte, die sich erst durch die Bewegung des Betrachters im Raum entfalteten, waren von Yaacov Agam, Jesús Rafael Soto und Victor Vasarely zu sehen. Agam, Pol Bury, Robert Jacobsen und Richard Mortensen zeigten Werke, die sich in direkter Interaktion mit dem Betrachter verändern lassen. Von Jean Tinguely waren Arbeiten ausgestellt, die sich mittels integrierten elektrischen Antriebs selbsttätig bewegen. Schließlich wurde anlässlich der Ausstellung auch ein Daumenkino von Robert Breer herausgegeben. Neben diesen jungen künstlerischen Positionen waren mit Marcel Duchamps „Rotary Demisphere“ aus dem Jahr 1925 und zwei Mobiles Alexander Calders Werke vertreten, die einen Rückbezug zu den kinetischen Experimenten der frühen Avantgarde lieferten.
Begleitend zur Ausstellung findet heute wie vor 55 Jahren ein umfangreiches Filmprogramm statt, das zugleich die Brücke zum zweiten Teil der Ausstellung bildet. Hier steht die Frage nach den Quellen der kinetischen Kunst im Vordergrund. Der abstrakte Experimentalfilm – auch als „gegenstandslose Augenmusik“ bezeichnet – wurde Mitte der 1920er Jahre als neue Gattung mit großem Zukunftspotential angesehen. Eine Filmvorführung 1925 im UFA-Theater in Berlin zeigte Viking Eggelings „Symphonie diagonale“, zudem Werke von Henri Chomette, Fernand Léger, Oskar Fischinger und Dudley Murphy, Hans Richter und Walter Ruttmann. Daneben sind in Basel Filme von Duchamp, László Moholy-Nagy und Man Ray zu sehen. Und für den großen Kontext in einer Zeit voller künstlerischer Umbrüche stehen schließlich noch Werke russischer Konstruktivisten, darunter Alexander Rodtschenkos und Kasimir Malewitschs. So werden in der Basler Ausstellung die 1920er Jahre, die 1950er Jahre und der Stand der Dinge im Jahr 2010 zusammengeführt.
Die Ausstellung „Le Mouvement. Vom Kino zur Kinetik“ läuft bis zum 16. Mai. Das Museum Tinguely hat dienstags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 15 Franken, ermäßigt 10 Franken.
Museum Tinguely
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