Kurt Leonhard und Tobias Rosenberger in Esslingen Das Werk eines älteren, vor sechs Jahren verstorbenen Theoretikers wird in Esslingen mit den ersten bedeutenderen Gehversuchen eines blutjungen Newcomers der bildenden Kunst kombiniert. Zu seinem hundertstem Geburtstag widmet die Villa Meckel dem Kunsthistoriker und Sammler Kurt Leonhard eine Retrospektive. Leonhard war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einer der ersten, die sich um einen künstlerischen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich einsetzten. Von Esslingen aus publizierte er wegweisende Bücher zur modernen Kunst und Lyrik. Schon im März 1981 richtete die Villa Merkel einen „Gruß an Leonhard“ aus. In dieser Ausstellung waren 39 von Leonhard ausgewählte Künstler mit Texten des Autors kombiniert. Neunzehn dieser Künstler fanden auch Aufnahme in die Bestände der Graphischen Sammlung der Stadt. Diese Arbeiten sind nun in einer Kabinettausstellung zu sehen, ergänzt durch die sechzehn Blätter des Portfolios „Winand Victor/Kurt Leonhard: Gegenwelt – Radierungen und Gedichte“ aus dem Jahr 1982. Wichtige Künstler des 20sten Jahrhunderts wie Max Ackermann, Hans Arp, Willi Baumeister, Julius Bissier, Rolf Cavael, Karl Fred Dahmen, HAP Grieshaber, Erich Hauser, Ida Kerkovius, Rolf Nesch, Georg Karl Pfahler, Pablo Picasso, Bernard Schultze und K.R.H. Sonderborg erweisen Leonhard gleichsam die Ehre.
Der 1980 im unterfränkischen Alzenau geborene Medienkünstler Tobias Rosenberger ist derzeit Bahnwärterstipendiat der Stadt. Mit der Ausstellung „The Grand Defender. Theatermaschinen und -modelle“ schließt er seinen Aufenthalt in Esslingen am Neckar ab. Darin wird ein Text des chinesischen Philosophen, Ingenieurs und Militärberaters Mozi, der im späten 5ten Jahrhundert vor Christus lebte und wirkte, zum Ausgangsmaterial genommen. Aus den Kampfstrategien Mozis hat Rosenberger einen weiß lackierten Messestand samt einem abstrahierenden Architekturmodell einer kleinen Stadt gebaut, die ein Verteidigungswall umgibt. Auch die zehn gebräuchliche Arten eines Angriffs gegen die Stadt, die Mozi nennt, hat Tobias Rosenberger als kleine skulpturale Arbeiten in seiner Installation umgesetzt. Auch ältere Werke wie die medialen Skulpturen „The An-Archic Device“, entstanden 2009 in Mexiko, „Projektion 1675“ ebenfalls von 2009 sowie die vierkanalige Videoarbeit „Breathing City“ von 2007/08 sind zu sehen. Rosenberger erhielt seine künstlerische Ausbildung am Institut für Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen.
Die Ausstellungen „Das integrale Spiel. Kurt Leonhard zum 100. Geburtstag“ und „Tobias Rosenberger: The Grand Defender – Theatermaschinen und -modelle“ laufen parallel bis zum 7. März in der Villa Merkel in Esslingen. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, dienstags zusätzlich bis 20 Uhr.
Villa Merkel
Pulverwiesen 25
D-73728 Esslingen
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