Wilde Welten in Berlin Das Exotische übte auf die Künstler der Moderne eine ungemeine Anziehungskraft aus. In vielen ihrer Bilder tummeln sich afrikanische oder ozeanische Fetische und Masken, deren einfache und rohe Formensprache übernahmen sie in ihr eigenes Schaffen. Emil Nolde und Fritz Behn reisten in die Ferne und wurden dort zu Ethnografen. Im Gegenzug wurden in der westlichen Welt fremde Kulturen durch Panoptiken, bei Völkerschauen im Zoo, auf Weltausstellungen, in Büchern, Zeitschriften und in den neu gegründeten ethnologischen Museen bekannt. Otto Freundlich, Gustav Heinrich Wolff oder Georg Kolbe wünschten sich eine formale Erneuerung ihrer Kunst durch das Exotische. Und nicht nur Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel waren auf der Suche nach dem Ursprünglichen und wollten so der eigenen, als dekadent empfundenen Gesellschaft entkommen. Ihnen allen galt das „Fremde“ als Zeichen für Ursprünglichkeit, Reinheit und die Einheit von Mensch und Natur.
Seit gestern thematisiert das Berliner Georg-Kolbe-Museum in der Ausstellung „Wilde Welten – Aneignung des Fremden in der Moderne“ das Verhältnis der Moderne zu außereuropäischen Kulturen in der Kaiserzeit und Weimarer Republik. Dabei bettet sie die Kunstwerke in einen kulturhistorischen Kontext. Plakate, Fotos, Werbung, sogenannte Lebendabformungen, Alltagsgegenstände und Bücher machen die Präsenz des Fremden auch im Alltag zu Beginn des 20sten Jahrhunderts anschaulich. Die Exponate machen zudem deutlich, wie europäische Vorstellungen das Bild vom Exotischen formten. Denn die Konstruktionen des Fremden waren subjektiv und historisch geprägt und haben teilweise bis heute ihre Gültigkeit behalten. So schwingt das Ideal der arkadischen Südsee auch noch jetzt in der westlichen Bildwelt vom Südpazifik mit, und Kaffee wird nach wie vor mit dem „Hauch der Exotik“ vermarktet.
Die Ausstellung „Wilde Welten – Aneignung des Fremden in der Moderne“ ist bis zum 5. April 2010 zu sehen. Das Georg-Kolbe-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.
Georg-Kolbe-Museum
Sensburger Allee 25
D-14055 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 30 42 144
Telefax: +49 (0)30 – 30 47 041 |