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Orient trifft Okzident: Die 13. Paris Photo steht ganz im Zeichen der arabischen und iranischen Fotografie

Bilder aus 1001 Nacht



An diesem fast spätsommerlich warmen Mittwochnachmittag scheint ganz Paris fest in der Hand seiner großen arabischen Minderheit zu sein. Etliche Straßen sind gesperrt. Tausende von Menschen versammeln sich. Ganze Familienclans sind in algerische Flaggen gehüllt. Jugendliche brausen in Autos und auf Motorrädern hupend durch die Stadt. Die Aufregung galt dem Fußball: Im fernen Sudan entschied sich, welche Mannschaft als Vertreter Nordafrikas an der Fußball-WM 2010 teilnehmen sollte. Als Algerien schließlich 1:0 gegen Ägypten gewann, gab es bei den Fans kein Halten mehr. Autocorsos hielten die Stadt bis in die späten Abendstunden in Atem.


Ortswechsel: Ganz unten im Sockelgeschoss des Pariser Louvre eröffnete am Mittwoch auch die 13. Paris Photo, die weltweit wichtigste Messe für Fotografie aller Epochen. Passend zum lärmenden Tohuwabohu oben auf den Straßen ist auch das Schwerpunktthema der diesjährigen Ausgabe. Im Fokus der Sonderausstellung, der Workshops und Symposien stehen 2009 die arabische und die iranische Fotografie. Während der gut besuchten Vernissage verbreitete denn auch ein prächtig gewandeter Trommler authentische Souk-Atmosphäre.

102 Aussteller, davon 89 Galerien und 13 Verlage, bieten Highlights der gesamten Fotografiegeschichte an. Von frühen Daguerreotypien über die Klassiker des Mediums wie Andreas Feininger, August Sander oder Henri Cartier-Bresson bis hin zu den blutjungen Cutting Edge-Fotografen unserer Tage ist auf der Paris Photo alles vertreten. 75 Prozent der Teilnehmer sind Nicht-Franzosen. Insgesamt sind außer Frankreich 23 Länder vertreten. Deutsche Galerien stellen mit 11 Teilnehmern den größten Anteil. Für Messeleiter Guillaume Piens war die diesjährige Schwerpunktsetzung längst überfällig: „Entgegen unserem westlichen Vorurteil gibt es in der arabischen Welt und im Iran eine riesige Faszination für fotografische Bilder. Die Begeisterung für dieses Medium reicht sehr, sehr lange zurück.“

In der Tat. Die ersten Europäer sind bereits in den 1840er Jahren aufgebrochen, die biblischen Länder zu fotografieren. Die Bekanntesten unter ihnen waren Gustave Le Gray, Maxime Du Camp und Felice Beato. Kurz danach haben in Kairo, Beirut, Bagdad und anderen Städten die ersten kommerziellen Fotostudios aufgemacht. Sie wurden meistens von christlichen Armeniern betrieben, die stark zur Verbreitung der Fotografie in der Region beigetragen haben. Im Iran sah die Situation etwas anders aus. Dort entdeckte der Herrscher selbst, Nasser Al-Din Shah, der von 1848 bis 1896 regiert hat, seine Leidenschaft für die Fotografie. Er war von den aus Europa vordringenden Berichten über das neu erfundene Medium so begeistert, dass er gleich eine ganze Ausrüstung orderte und begann, diese neue Kunst selbst zu praktizieren.

Guillaume Piens weiter: „Es scheint an der Zeit, dieses reiche historische Erbe und die zur Zeit boomende kreative Szene dort in einem hochwertigen internationalen Umfeld, wie es die Paris Photo ist, zu würdigen. Und dazu Catherine David als Gastkuratorin einzuladen, lag einfach auf der Hand.“ Gleich drei Sektionen betreut die ehemalige Leiterin der Documenta X: Eine Sonderausstellung, bestückt mit hochwertigen Beispielen arabischer Studiofotografie aus den Beständen der Non-Profit-Organisation Arab Image Foundation in Beirut. Die Statement-Sektion mit acht ausgewählten zeitgenössischen Galerien aus dem Iran, dem Libanon, Marokko, Tunesien und Dubai. Und nicht zuletzt auch den Project Room mit Podiumsdiskussionen, Künstlergesprächen und Videopräsentationen.

David ist in den Jahren nach der Documenta X in Frankreich zu einer anerkannten Spezialistin für zeitgenössische arabische Kunst geworden. Die bisher noch unterbewertete Fotografie aus dieser Region hat bei ihr ein besonderes Forschungsinteresse ausgelöst: „Die neuere Fotografiegeschichte der arabischen Welt und des Iran muss erst noch geschrieben werden“, sagt sie. „Aber über die Anfänge wissen wir relativ viel. Reisefotografen, Romantiker, Wissenschaftler, Archäologen, Offiziere und Abenteurer haben sich seit den 1840er Jahren nach Ägypten, ins Heilige Land, in die Türkei und in etwas geringerem Maße auch nach Persien aufgemacht. Christliche und armenische Fotografen in der Diaspora unterlagen nicht den religiösen Verboten des Islam. Sie spielten eine bedeutende Rolle in der Praxis und Verbreitung der Fotografie im gesamten mittleren Osten. Sie eröffneten Schulen und Werkstätten. Auf der einen Seite gab und gibt es sehr viele Studiofotografen. Auf der anderen Seite hat es sich aber bis heute nicht durchgesetzt, sie als künstlerische Urheber wahrzunehmen.“

Die geballte Ladung arabischer Fotografie auf der Pariser Messe dürfte die Wahrnehmung – zumindest in Insiderkreisen – ganz gezielt auf deren wichtigste Protagonisten lenken. Auf der diesjährigen Paris Photo jedenfalls kann der Besucher von Marokko bis nach Dubai und von Persien bis Ägypten in orientalischen Bilderwelten schwelgen. Sie reichen von der oft klischeebehafteten europäischen Reisefotografie des 19. Jahrhunderts etwa bei der Pariser Galerie Serge Plantureux über die mit historischen Versatzstücken spielenden Mehrfachüberblendungen de iranischen Fotolegende Bahman Jalali bei der Teheraner Galerie Silk Road bis hin zu den Werken eher konzeptuell arbeitender arabischer Fotokünstler bei der in Beirut und Hamburg ansässigen Galerie Sfeir-Semler.

Die „13. Paris Photo. The international fair for 19th-century, modern and contemporary photography“ läuft vom 19. bis zum 22. November im Carrousel du Louvre in Paris. Geöffnet ist donnerstags uns samstags von 11:30 bis 20 Uhr, freitags von 11: 30 bis 22 Uhr und sonntags von 11: 30 bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 15 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Der Katalog kostet 20 Euro.



19.11.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Trommler bei der Vernissage der Paris Photo
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Galerie Baudoin Lebon – Fotografien von Christian Courrèges
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Trommler bei der Vernissage der Paris Photo

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Galerie Baudoin Lebon – Fotografien von Christian Courrèges

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