Die zweite Ausgabe der erneuerten Cologne Fine Art hat eröffnet
Liebeserklärung an das Feine
Vor zwölf Monaten gelang der Neuanfang. Jetzt beginnt die Bewährung. Stand die Cologne Fine Art & Antiques bis vor einem Jahr noch auf wankenden Füßen, kehrt jetzt dank eines strengen, ausschließlich an Qualität orientierten Auswahlverfahrens Ruhe ins Fahrwasser der ehemaligen Westdeutschen Kunstmesse ein. 19 Rückkehrer und 13 Neuaussteller sprechen für sich. Die Messeleitung unter Ulrike Berendson gab sich alle Mühe, Lücken und Schwächen auszugleichen, und selbst Mitglieder der Auswahlkommission waren voll des Lobes, obwohl bei den Altmeistergemälden noch nicht das Optimum erreicht ist. Dem Besucher bietet sich ein ansprechendes Miteinander aus drei Jahrtausenden Kunstgeschichte mit Schwerpunkten auf der klassischen Moderne und der Nachkriegskunst, wobei die Zeitgrenze strikt auf das Jahr 1980 festgelegt wurde. Es geht, wie Berendson betonte, um die Kunst des 20sten Jahrhunderts, das 21ste Jahrhundert findet auf der Cologne Fine Art nicht statt.
Auffallend sind heuer die Bemühungen, den Sektor der „antiken“ Möbel, der durch Rückgewinnung etwa von Mitzlaff, Gierhards, Härtl oder Schmitz-Avila wieder deutlich zulegen konnte, um den Designbereich zu erweitern. Sechs Designhändler bieten Stücke aus der Wiener Werkstätte oder skandinavisches Design, das vielfach in enge Beziehung mit Exponaten klassischer Künste gesetzt wird. Damit will die Messe eine jüngere Kundschaft ansprechen und ebenso jüngere Händler dazu bewege, Arbeiten der 1960er und 1970er Jahre in Köln zu zeigen. Den Kunstfreund erwartet eine hochkarätige Veranstaltung erlesener Stücke, ohne auch nur ansatzweise ins Kitschige zu verfallen. Der Umbruch zum Positiven scheint in Köln geschafft.
Gleich am Eingang unterstreicht die große, von drei Wiener Händlern unter dem Titel „Design-Tradition“ bespielten Koje die neue Einbeziehung der Möbelgestaltung des 20sten Jahrhunderts. Kovacs, Lichterloh und Rauminhalt, so die Namen der drei Unternehmen, stellen unter anderem eine ovale Rollkommode von Josef Frank aus dem Jahr 1925 für 22.000 Euro vor. Highlight stellt Josef Hoffmanns 1906 in Wien kreierte „Sitzmaschine“ dar. Das verstellbare Bugholzmöbel ist für 25.000 Euro zu haben und steht neben einem ebenfalls von Hoffmann entworfenen Gebrauchsstück, einem Abfalleimer für die Züge der Österreichischen Bundesbahn aus den Jahren vor 1936 für 850 Euro!
Diagonal gegenüber blickt den Besucher eine Reihe charakteristischer Konterfeis Alexej von Jawlenskys am Stand von Hubertus Melsheimer an. Die 18 mal 13 Zentimeter kleinen Ölgemälde kosten je 380.000 Euro. Hans Purrmanns wunderbare Landschaftsstudie von Ischia wird für 170.000 Euro angeboten, ein Blumenstillleben des berühmten Pfälzer Malers mit Kapuzinerkresse für 95.000 Euro. Für die gleiche Summe hängt in der Koje auch eine der vielen Gartenansichten Max Liebermanns aus seiner Berliner Villa am Wannsee. Etwas weiter wird es wieder kunstgewerblich. Der Aachener Händler Paul-Günther Grobusch offeriert eine reiche Auswahl an Jugendstilvasen von Daum Frères und Emile Gallé, die sich preislich zwischen 4.000 und 78.000 Euro bewegen und das Herz aller Jugendstilfreunde höher schlagen lassen. Ein besonderes Stück stellt aber ein Kamin von Carlo Bugatti aus dem Jahr 1902 dar. Die im exotischen Stil gearbeitete Brandstätte kostet 65.000 Euro.
Eine Auswahl von erlesenen barocken und klassizistischen Interieurs fährt wieder der Worpsweder Kunsthandel Viebahn auf. Zu den Glanzstücken zählt ein grandioser Spiegelschreibschrank aus den Jahren um 1775. Dabei handelt es sich um eine sogenannte „Altonaer Schatulle“, bei der die barock überladene Schnitzerei zurücktritt und dem aufkommenden Klassizismus Platz macht (Preis 195.000 Euro). Dieser neu Stil, er im letzten Drittel des 18ten Jahrhundert einsetzt, ist auch bei einer röhrenförmig nach oben strebenden Bodenstanduhr aus dem Jahr 1829 eindrücklich erkennbar. Das zur Familie der von Karl Friedrich Schinkel maßgeblich inspirierten „Zylinderuhren“ zählende Werk ist mit blattvergoldeten klassizistischen Zinnornamenten und abschließender Urnenbekrönung versehen sowie für 65.500 Euro zu erstehen.
In die jüngere Kunst dringt Klaus Gerrit Friese aus Stuttgart vor. Unter seinen zahlreichen grafischen Arbeiten finden sich in Mischtechnik ausgeführte Papierarbeiten von Dieter Krieg. Die relativ kleinformatigen Bilder mit groß aufgeblähten Allerweltsgegenständen wie Löffel liegen bei 1.400 Euro. Die Galerie Döbele aus Dresden lockt mit einem Gemälde Edmund Kestings. Er hat 1932 das Porträt des berühmten Berliner Kunsthändlers Herwarth Walden in einem an Fotografien angelehnte Stil aufgenommen (Preis 98.000 Euro). Teuerstes Gemälde am Stand ist eine abstrakte Ölarbeit von Wolfgang Paalen. Mit 430.000 Euro ist der „Avertissement I“ aus dem Jahr 1934 veranschlagt, der mit abgedunkelten Tönen und organischen Strukturen den Zeitgeist etwas vorwegnimmt. Eugen Batz, ein Meisterschüler von Paul Klee, bespielt ein eigenes Segment. Für die Werke des frühen Informellen muss man bis 35.000 Euro anlagen.
Hubert Berke war ebenfalls einer von Klees Meisterschülern und wird gegenüber von Christine Rother aus Wiesbaden dem Messepublikum vorgestellt. Bedeutsam ist, dass er lange vor Günther Uecker Nagelobjekte kreiert hat, die zwischen 2.000 und 5.000 Euro kosten. Seine informellen Bilder starten preislich schon bei 1.000 Euro für kleinere Formate, steigen aber auch bis zu 25.000 Euro an. Rother verwaltet auch den Nachlass des Kölner Malers Peter Herkenrath, von dem unter anderem ein Stillleben von Vasen in der Art Giorgio Morandis für 9.000 Euro zu haben ist. Der Düsseldorfer Klaus Schwarzer ist mit einem besonderen Glanzstück angereist. 1904 tupfte Erich Heckel die Ansicht eines „Kahns auf der Elbe“ in den leuchtenden Farben der Fauves auf den Karton. Er ist mindestens 850.000 Euro wert. Für 195.000 Euro kann der Kunstfreund auch eine „Straße in Paris“ erwerben. Das Aquarell Lyonel Feiningers aus dem Jahr 1915 beehrte bereits viele Ausstellungen in renommierten Museen.
Die Galerie Utermann aus Dortmund hat sich diesmal ganz auf den rheinischen Akademieprofessor Bruno Goller ausgerichtet, dessen zwischen 1936 und 1992 entstandene Ölgemälde die Sechsstelligkeit gerade überschreiten. Hans Purrmann ist auch bei der Galerie Koch aus Hannover präsent und zwar in der Form einer 1951 entstandenen Ölstudie des „Capo di Sorrento“ für 96.000 Euro. Aus der Brücke-Zeit stammen die „Elbzillen“ Ernst Ludwig Kirchners. Für dieses Gemälde aus den Jahren 1909/10 werden 100.000 Euro verlangt.
Die Kunst des 19ten Jahrhunderts ist auf der Cologne Fine Art etwa bei der Frankfurter Galerie Joseph Fach zuhause. Sie bietet zwei Interieurzeichnungen von Carl Hummel aus dem Jahr 1846 für zusammen 22.000 Euro an, die mit dem Goethe- und dem Schillerzimmer die wohl bedeutendsten der Dichterzimmer im Weimarer Residenzschloss zeigen. Vornan lockt ein 1802 gezeichneter Bühnenprospekt des Potsdamer Architekten Johann Rudolf Heinrich Richter mit einer palastartigen Anlage, die man sich für 6.800 Euro ins Haus holen kann. Ihr Frankfurter Kollege Aurelio Fichter offeriert eine kleinformatige Waldpartie aus dem Neandertal von Andreas Achenbach aus dem Jahr 1832 für 4.200 Euro sowie eine erotische Rückenansicht von Oskar Schlemmer. Die nicht viel größere Zeichnung kostet allerdings 28.000 Euro. Gegenüber beim Münchner Kunsthändler Thomas Schneider lockt ein „Sonntagsjäger“ von Carl Spitzweg. Den Preis dazu gibt’s auf Anfrage.
Rainer Ludorff glänzt mit Zwillingsbildern, wunderbaren Reitermotiven von Max Liebermann. Die lange verschollenen Werke des berühmten Impressionisten verbinden das rassige Temperament der Pferde auf einzigartige Weise mit der aufschäumenden Bewegung des Meeres im Hintergrund. Das Reiterpaar kostet 980.00 Euro, der einzelne Reiter 345.000 Euro. Das ebenfalls neu aufgetauchte Scheibenbild „Purpur in Blau“ von Ernst Wilhelm Nay aus dem Jahr 1957 ist bei dem Düsseldorfer Galeristen für 295.000 Euro zu haben. 1928 schuf Georg Kolbe die 28 Zentimeter hohe Kleinplastik einer Sitzenden, die für stolze 125.000 Euro angeboten wird. Klaus Benden inszeniert in seiner Koje einen Dialog zwischen Andy Warhol und Tom Wesselmann, in den sich unter anderem Warhols erotisch angehauchtes rotes Messerbild „Knives“ aus dem Jahre 1981 für 320.000 Euro mischt. Aber auch eine grandiose Assemblage aus Briefen im Plexiglaskasten von Arman ist hier für 7.500 Euro zu haben.
Bei der Galerie Boisserée ist die 1955 entstandene Gouache „Der Künstler oder der Rosa Hahn“ von Marc Chagall für 195.000 Euro gelistet. Daneben hängen ein wunderschön aquarellierter Sonnenuntergang und ein Sonnenblumenbild von Emil Nolde, die jeweils die Marke von 300.000 Euro überschreiten. Der Hamburger Thole Rotermund bietet eine von August Macke entworfene Vorzeichnung zu einem Gemälde an, das den Blumengarten hinter seinem Bonner Anwesen für 46.000 Euro zeigt. Richard Ziegler, ein Maler der Berliner Novembergruppe, ist mit einer 1924 entstandenen, 3.500 Euro teuren Komposition vertreten. Vom Wiener Kinetisten Otto Erich Wagner präsentiert Rotermund eine architektonische, kubistisch inspirierte Komposition aus dem Jahr 1923 für 18.600 Euro.
Die Galerie Schlichtenmaier lädt ein zu einer Begegnung mit Peter Brüning ein. Dessen informelles Gemälde mit rotschwarzen Farbfetzen aus dem Jahr 1963 (Preis 120.000 Euro) ist mit einer Bronzeplastik von Otto Herbert Hajek aus dem selben Jahr in Beziehung gesetzt, die Schlichtenmaier für 30.000 Euro bereithält. Die Galerie Margret Heuser wartet wohl mit den teuersten Stücken der Cologne Fine Art & Antiques auf. August Mackes „Stillleben mit Katze“ aus dem Jahr 1919 wird für 1,2 Millionen Euro angepriesen. Noch mehr verlangt die Düsseldorfer Kunsthändlerin für die „Landschaft mit ruhenden Kühen“ von Emil Nolde aus dem Jahr 1925, die der Kunstfreund für 1,35 Millionen Euro mit nach Hause nehmen kann.
Die „Cologne Fine Art & Antiques“ findet vom 18. bis zum 22. November auf dem Kölner Messegelände statt. Geöffnet ist täglich von 12 bis 20 Uhr. Die Tageskarte kostet 20 Euro, die Zweitageskarte 30 Euro. Die Abendkarte ab 17 Uhr gibt es für 14 Euro und den Katalog für 20 Euro.