Anton Henning in Berlin Gleich zwei Berliner Ausstellungshäuser widmen sich seit dem Wochenende Anton Henning und haben damit die erste institutionelle Präsentation seines Werkes in seiner Geburtstadt auf den Weg gebracht. Da ist zum einen das Georg-Kolbe-Museum. Hier hat der 1964 geborene Henning, der sich mit Malerei Bildhauerei, Architektur und Design dem Gedanken des Gesamtkunstwerkes nähert, die raumfüllende Installation „Oase“ von 2006 aufgebaut. Sie ist eine aus dem Bild gewachsene Skulpturenlandschaft, die durch ihre Pracht und Opulenz überzeugt. 21 Skulpturen aus verschiedenen Materialien stehen auf Sockeln, die mit einem einheitlich hellen Holzfurnier überzogen sind. Als Basis und Raster der Sockel dient ein sechs auf neun Meter großer Wollteppich mit einem geometrischen, starkfarbigen Muster. Es handelt sich dabei um die Übersetzung von Hennings Gemälde „Interieur No. 342“ aus dem Jahr 2006. Hennings „Oase“ bietet sich gleichsam als exotischer, üppiger Garten, als lebenspendender Ort dar, dessen Reichtum in der intensiven Farbigkeit der Materialien sowie in der Vielfalt der Formen begründet liegt und in der die Malerei mit Skulptur und Design zu einer mehrfach gebrochenen Einheit verschmilzt.
Auch im Haus am Waldsee hat Anton Henning eine Raumsituation unter dem Titel „Gegengift“ geschaffen und aus eigens entworfenen Möbeln, Gemälden, Plastiken, gemusterten Wänden und Videos einen Salon inszeniert. Mit Leichtigkeit bedient er sich aus dem Fundus der Kunstgeschichte. Er greift nach Gustave Courbet und Pablo Picasso, Francis Picabia, Sigmar Polke, Hans Arp, Henry Moore oder Henri Matisse aber auch zu Landschaften und Portraits im Stil der Niederländer des 17ten Jahrhunderts. Er interpretiert sie im eigenen Sinne um, wie ein Erinnerungsbild und als subjektiven Kommentar. Die Installation wirft Fragen nach der Präsentation von Kunst im privaten und institutionellen Rahmen auf. Der Besucher ist mit einer Kunstwelt konfrontiert, die das Sammeln und Bewahren, das Präsentieren und Bewundern von Klassikern der Kunst thematisiert. In der Überdosis des visuellen Angebots, die Henning mit gedanklicher Präzision und viel Sinn für Humor zeichnet, liegt das „Gegengift“ zur heutigen Kunstproduktion und deren Präsentation.
Die Ausstellung „Anton Henning. Oase“ ist bis zum 15. November zu sehen, „Anton Henning. Gegengift“ bis zum 29. November. Das Georg-Kolbe-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, das Haus am Waldsee hat täglich von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt bei beiden Institutionen je 5 Euro, ermäßigt je 3 Euro.
Haus am Waldsee
Argentinische Allee 30
D-14163 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 801 89 35
Telefax: +49 (0)30 – 802 20 28
Georg-Kolbe-Museum
Sensburger Allee 25
D-14055 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 30 42 144
Telefax: +49 (0)30 – 30 47 041 |