Aktuelle kinetische Kunst im Berliner Kolbe-Museum Kunst muss nicht statisch sein. Das entdeckten die Avantgarden der Moderne in den 1920er Jahren. Ihre Hochzeit hatte die kinetische Kunst in den 1960er und 1970er Jahren. Aber auch junge Künstler greifen auf Maschinen zurück, um das physische als auch psychische Verhältnis des Menschen zur Technik zu erkunden. Die Ausstellung „Romantische Maschinen“ des Georg-Kolbe-Museums versammelt dazu seit dem Wochenende in Form einer Momentaufnahme neun zeitgenössische Positionen, die Marc Wellmann zusammengestellt hat. Für ihn bezeichnet das Romantische die vorherrschende Tendenz zur gefühlsbetonten Intimität, zum Magischen, Schönen, Rätselhaften, Abgründigen und Absurden. Die scheinbar beseelten kinetischen Objekte zielen auf die vielfach gebrochene Beziehung des Menschen zu Maschinen und Technologien. Das Leben ist von der Abhängigkeit zu Automaten geprägt, deren technischer Kern in der Regel domestiziert wird und hinter einer Fassade der Vermenschlichung verschwindet. Die Kunst der sich bewegenden Maschinen und Geräte will diese Fassade dekonstruieren und den Dingen ein mitunter unheimliches Eigenleben verleihen.
Zeitlich beginnt der Rundgang mit dem Video „Der Lauf der Dinge“ von Peter Fischli und David Weiss, das erstmals 1987 auf der Documenta 8 vorgeführt wurde und dort ein Publikumsmagnet war. Mit dabei sind unter anderem der Litauer Zilvinas Kempinas, der mit seinen abgespulten Videobändern vibrierende Environments entwickelt, und das nordische Künstlerduo Michael Elmgreen & Ingar Dragset, die dieses Jahr ihre jeweiligen nationalen Pavillons auf der Biennale in Venedig bespielen, sowie der junge Münchner Michael Sailstorfer, dem im Sommer 2008 eine große Einzelausstellung in der Frankfurter Schirn gewidmet war. Ebenfalls aus München stammt Robert Barta, der zur kommenden Rohkunstbau-Ausstellung mit seinen Arbeiten voller Slapstick-Ironie eingeladen wurde. Johanna Smiatek, die die Welt der Mode und des Scheins thematisiert, bereichert die Ausstellung mit einer dezidiert weiblichen Perspektive auf das Kinetische. Zudem treten der israelische Newcomer Ariel Schlesinger und der Wiener Technikkünstler Thomas Baumann auf, der im letzten Jahr den Vorplatz der Baseler Kunstmesse mit seiner „Wellenmaschine“ immer wieder überschwemmte, sowie der in Leipzig lebende Julius Popp, dessen künstlerisch-wissenschaftliche Arbeiten seit mehreren Jahren international beachtet werden.
Die Ausstellung „Romantische Maschinen – Kinetische Kunst der Gegenwart“ ist bis zum 6. September zu sehen. Das Georg-Kolbe-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.
Georg-Kolbe-Museum
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