George Brecht gestorben George Brecht ist tot. Einer der letzten großen Künstler der Fluxus-Bewegung starb mit 82 Jahren am vergangenen Freitag in Köln. Zur Welt kam George MacDiarmid – so sein Taufname – 1926 in New York. Zunächst studiert er Chemie am Philadelphia College of Pharmacy and Science, arbeitet als Ingenieur in der Wirtschaft und legt sich seinen Künstlernamen in Verehrung für Bertolt Brecht während seiner Stationierung als Soldat im Schwarzwald zu. 1958 trifft er an der New School of Social Research in New York mit John Cage zusammen, was zu ersten Partituren mit plätscherndem Wasser und klickenden Lichtschaltern führt. Ein Jahr später nimmt George Brecht an ersten Fluxus-Aktionen teil, die Kunst als etwas Vorübergehendes verstehen, die sich nur im Augenblick ihrer Aufführung ereignet. Gemeinsam mit Robert Watts organisiert er in den frühen 1960ern das „Yam Festival“ in New York, ehe 1965 nach Frankreich zieht.
Von 1970 an lebt George Brecht im Rheinland, zunächst in Düsseldorf, seit 1972 dann in Köln. Hier entstehen seine „Event-Objekte“, zufällig angeordnete Alltagsgegenstände, die durch den Blick oder den Gebrauch des Betrachters zum Ereignis und damit zur Kunst werden. Mit dieser Auffassung gilt Brecht als einer der Pioniere, die in ihrer Kunst ganz auf den Betrachter setzen. Dieser soll seine eigenen Erfahrungen in das Werk einbringen und es für sich selbst deuten. Laut seinem Künstlerkollegen George Maciunas hat Brecht mit den „Event-Objekten“ zudem das Readymade ins Reich der Aktion erweitert. Darüber hinaus beschäftigt sich Brecht mit „Event-Partituren“, Mail-Order-Events und Poesie, initiiert Landvermessungsverlagerungen, baut „Kristall-Objektkästen“, übersetzt aus Liebe zum Fernöstlichen Hsin-Hsin-Ming von Seng-Ts’an oder produziert Hörspiele im elektroakustischen Studio des WDR.
Schon 1956 verfasst Brecht sein grundlegendes Essay „Chance-Imagery“, das eine Geschichte des Zufalls in der Kunst des 20ten Jahrhunderts vom Dadaismus bis zum Abstrakten Expressionismus ist. Zu seinen publikumswirksamsten Fluxus-Arbeiten zählt das „Harpsichord Concert“, das er 1976 mit Ben Vautier, Nam June Paik, Alison Knowles, Robert Watts, Robert Filliou und George Maciunas an der Berliner Akademie der Künste verwirklicht. In den letzten Jahren ist es ruhig um George Brecht geworden, denn ausstellen kann man flüchtige Kunst eigentlich nicht. 2005 organisiert das Kölner Museum Ludwig eine Werkschau zu Brechts 80stem Geburtstag, den auch die Berliner Akademie zum Anlass nimmt, ihm den Kunstpreis Berlin zu verleihen. |