Thomas Bayrle im Museum Ludwig Köln Dem Besucher im Kölner Museum Ludwig flimmern derzeit völlig identische, eng zusammen gesetzte Elemente entgegen. Durch leicht veränderte Anhäufungen bilden sich simple „Superformen“ heraus. Ein Raster aus unzähligen Biergläsern ergibt etwa ein großes Pilsglas, aus einem „Teppichgrund“ vieler Telefone erwächst ein Frauenporträt. Zwischen dem Einzelnen und dem Ganzen pendelt der Blick. Die serielle, wiederholende Produktion ein und desselben Motivs, auch „Loopen“ genannt, findet sich in vielen Bereichen, etwa in der Rap Musik oder bei mehrfachen Durchläufen gleicher Pogrammteile in Rechnern. Looping ist die über vier Jahrzehnte erprobte Strategie des Künstlers Thomas Bayrle. Der 1968er ließ sich inspirieren vom naiven Bild der Mechanik hinter Massen. Ihn erschreckten populistische Kräfte, die hinter dem Ausdruck westlicher Demonstrationen und östlicher Aufmärsche, Massenansammlungen, -produktionen oder -gesellschaften stecken.
In den 1960er Jahren entwickelte Thomas Bayrle die politisch aus der Dialektik zwischen Individuum und Gesellschaft entsprungene ästhetische Formel. Genauso stark beflügelte ihn die zwischen 1956 bis 1958 absolvierte Ausbildung zum Weber. Die Ordnungen der Websetzungen mittels Lochkartensysteme, geometrischer Bindungen sowie rasterhafter Überschneidungen erwiesen sich ebenso prägend für sein Œuvre. Doch das aus radikal theoretischen Realitäten kreierte Ergründen von Balancen aus Differenzen und Häufungen geschieht heute mithilfe des Computers. Vor dem Hintergrund einer wandgroßen Tapete aus taubenblauen kleinen Telefonmotiven versammeln sich im großen Ausstellungssaal des Museums Ludwig 85 Serigrafien, darunter auch mehrere frühe, großformatige Siebdrucke auf Plastik. Diese druckte Thomas Bayrle unter mehrfacher Verwendung der gleichen Siebe, die lediglich durch Papierschablonen modifiziert wurden.
Seit den 1980er Jahren beschäftigt sich Bayrle mit dem Motiv der Autobahn im Rahmen skulpturaler Arbeiten. 38 Plastiken werden in einer Art Werkstattsituation in Köln präsentiert. Die zu Schleifen oder Schlaufen verschlungenen Straßen tragen zum Teil Zeichen, Formen, Gliederungen, sind mit aufgesetzten Modellfahrzeugen oder aufgedruckten Bildern versehen. Im Mittelpunkt dieser Werkgruppe stehen die über vier Meter hohen Schlaufen seiner neuen Skulptur „Conveyor Belt“, auf die der Besucher über eine neue Zugangstreppe aus der Höhe hinab zuschreitet, um dann nahezu von ihr umschlungen zu werden. Der 1937 in Berlin geborene Thomas Bayrle studierte nach seiner Ausbildung zum Weber zwischen 1958 bis 1961 an der Werkkunstschule Offenbach und lehrte von 1975 bis 2002 an der Frankfurter Städelschule.
Die Ausstellung „Thomas Bayrle: Looping“ ist bis zum 18. Januar 2009 im Museum Ludwig in Köln zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, jeden ersten Freitag im Monat bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 9, ermäßigt 6 Euro.
Museum Ludwig
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