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Am 18.09.2010 Auktion 32

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Selbstbildnis an der Ostsee / Ernst Hassebrauk

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Ergebnisse: Moderne und zeitgenössische Kunst bei Karl und Faber

Giacomettis Gekritzel



Wie Comic-Figuren sehen sie aus, haben lange Nasen, groß in die Welt schauende Glupschaugen, wirre Haare und machen unkoordinierte Bewegungen. Sie schweben in irgendeinem undefinierbaren Raum, der fast ganz schwarz ist und nur ein paar weiße Pünktchen aufweist, als sei es ein Sternenhimmel. Eigentlich sind die Männchen nur aus Zellen zusammengesetzt. Überhaupt geht Jean Dubuffet sehr spielerisch mit seinem selbsterfundenen Motiv um. 1962 zeichnete er das Bild dreier „Personen“, wenn man sie denn so betiteln darf, mit der Tuschfeder. Die Arbeit stammt aus der sogenannten „Hourloupe“-Phase des französischen Art Brut-Künstlers. Beim Münchner Auktionshaus Karl & Faber wurde das Blatt nun für 30.000 Euro versteigert, erheblich mehr als die erwarteten 12.000 bis 14.000 Euro.



Nur 38 Prozent des über neunhundert Werke umfassenden Angebots konnte das Auktionshaus am 7. und 8. Dezember allerdings absetzen. Manches hochgehandelte Werk blieb im Depot liegen, so beispielsweise Karl Caspars als Hauptwerk gehandelte „Frauen am Brunnen“, die der Künstler 1914 unter dem Einfluss Paul Cézannes malte (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR), André Derains verschwommenes, mit breiteren Pinselstrichen aufgenommenes Damenportrait von etwa 1934/39 (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR) oder Henri Matisses Lithografie „Nu couché de dos“ von 1929 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Und noch ein Franzose wurde abgewiesen: Gustave Loiseau samt seinem Stillleben mit Zuckermelone und Muskattrauben von 1930 (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR).

Zu den ältesten Künstlern gehörte Käthe Kollwitz. Ein Studienblatt zeigt einen gefesselten Bauern von zwei verschiedenen Seiten. Die Vorzeichnung zu der Radierung „Die Gefangenen“ von 1908 entlockte einem Bieter taxgerechte 16.000 Euro. Unwirkliche Traumgespinste beschwört Alfred Kubin in einem 17.000 Euro teuren „Fabeltier“ aus gazeartig schwebenden und leuchtenden Elementen von circa 1905/06 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Für 15.000 Euro erfreut sich ein Sammler an Gabriele Münters unaufdringlichem Blumenstrauß in einer ornamental gemusterten Vase von 1943 (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Der Zuschlag bei 18.500 Euro ist den Erwartungen von Amedeo Modiglianis nackter, sitzender Frau, eine in ihren gerundeten Formen charakteristische Bleistiftzeichnung auf Zeichenpapier von etwa 1914, nicht ganz gerecht werden (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR).

Eine ruhige, stimmungsvolle Ansicht eines Gehöfts auf der Insel Ödland entwirft der Schwede Nils Kreuger mit Tuschfeder, Aquarellfarbe und Pastellkreide. Die Zeichnung aus dem Jahr 1900 verbuchte 2.300 Euro für sich (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Noch um 1918 huldigt der Worpsweder Maler Carl Vinnen einer symbolistischen Malerei, wenn er zwei einsame nackte Kinder in Rückenansicht am Strand vor der untergehenden roten Sonne in Verzückung geraten lässt. Hier wurde die untere Taxgrenze von 4.000 Euro erreicht. Kunstgeschichtlich fortschrittlicher scheint da schon Rolf Nesch, der sich in seinem farbigen Metalldruck „Alsterbrücke“ von 1932 einer expressiven Sprache bedient. Er kam auf 7.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Einen Geistesverwandten findet Nesch in Emil Nolde, dessen farbige Lithografie „Die heiligen drei Könige“ von 1913 nun 11.800 Euro wert ist (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Einer der weniger bekannten Expressionisten ist der Rheinländer Heinrich Nauen. Von ihm stand ein farblich zugespitztes Pastell einer Baumlandschaft zu Gebote, dessen Wert nach einem kleinen Bieterscharmützel von 1.200 Euro auf 3.400 Euro kletterte.

25.000 Euro weniger als die mindestens erhofften 100.000 Euro erlöste Lyonel Feiningers etwas diabolisch den Betrachter anschauende Frau mit blauen Haaren, schon in motivischer Hinsicht ein Ausnahmewerk im Schaffen des Künstlers von 1927. Feiningers demgegenüber klassisches Aquarell mit kantig eingeteilter Landschaft, bestehend aus rosa Wolken, Segelboot und Spaziergängern am Strand, wollte gar niemand haben (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR). Das betraf auch die vier gelben Callablüten vor braunrotem Grund von Christian Rohlfs (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Neue Sachlichkeit und einen Hauch magischen Realismus verbindet Alexander Kanoldt in seinem Stillleben mit Fensterausblick auf eine Fabrik von 1938, das aber ebenfalls kein Glück hatte (Taxe 38.000 bis 45.000 EUR).

Willi Baumeisters zeichenhafte „Traube“ von 1952 schaffte auch nicht den Absprung (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Karel Appels 1960 kräftig in Gouache hingeworfene Komposition mit dem Titel „Two animals“, die entfernt an zwei Fische denken lässt, brachte es auf 13.000 Euro (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Nur 11.000 Euro waren es für Samuel Baks surrealistischen Hinterhof eines Irrgartens, der das Motiv der Birne in verschiedenen symbolischen Variationen durchspielt (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Aus geometrischen Formen auf Basis der Farbe Gelb entwickelte der Warschauer Maler Henryk Stazewski 1938 eine flächige Komposition, die nur 12.500 Euro erreichte (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Alle fünf Bilder Theodor Werners wanderten zurück zum Vorbesitzer, unter anderem „Lunar. Komposition Nr. 11“ von 1941/43 (Taxe 20.000 bis 24.000 EUR).

Der Grieche Jorgo Busianis war zu seiner Zeit ein gefragter Mann, der der Münchner Sezession beitrat und mit Max Liebermann in Kontakt stand. Seine Wiederentdeckung auch in Deutschland wäre zu wünschen. Dennoch reichte es für seinen distanziert mit einer dicken Malschicht aufgetragenen Matrosen aus den 1920er Jahren nur für 16.500 Euro (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Erfolgreicher war Alberto Giacometti. Mit rascher Hand war er schnell dabei, wenn es irgendwo ein menschliches Antlitz oder einen Körper einzufangen gab. Heute ist dieses Gekritzel Gold wert, 44.000 Euro zum Beispiel der stehende Akt einer jungen Frau und nebendran, nicht dazugehörig, eine Kopfstudie. Damit hatte auch das Auktionshaus nicht gerechnet und die Bleistiftzeichnung bescheiden auf 8.000 bis 10.000 Euro angesetzt. 38.000 Euro kostete sein männliches Portrait mit fast ganz zu schwarzen Linienmassen verdichtetem Gesicht (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Nicht ganz soviel Glück hatte sein 1936 in Bern verstorbener Landsmann Emil Cardinaux, dessen farblich gesteigerter „Sitzender weiblicher Akt“ von 1911 lediglich 4.100 Euro einbrachte (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR).

Gut kam von den lebenden Künstlern der 2006 seinen 80sten Geburtstag feiernde Jean Miotte an. Er bevorzugt eine recht spontane, gestische Malweise, die die Entstehung eines Gemäldes manchmal ganz dem Zufall zu überlassen scheint. Der blaue „Ocean“ von 1958 kletterte von 12.000 bis 15.000 Euro auf 22.000 Euro, den gleichen Betrag erlöste eine farblich vielfältigere „Opulence“ von 1989 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Noch deutlicher drückte die Bieterschar ihre Begeisterung für eine 1995 ganz mit schwarzer Acrylfarbe auf die Leinwand geworfene Komposition „Épreuve du silence“ aus, die sie schließlich mit 48.000 Euro honorierte (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Da konnte nur Sigmar Polke mithalten, dessen unbetitelte Arbeit von 1987 mit einer Rokokokartusche auf einem Punktraster aus Acryl, schwarzer Tusche, Aquarell und Lack bei 38.000 Euro reüssierte (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Acht Jahre jünger als Jean Miotte, aber schon 2003 verstorben ist Fred Sandback. Seine minimalistische Zeichnung zweier Rechteckformen in Grün und Blau als Pastell von 1988 steigerte sich auf 6.400 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Arnulf Rainers suggestive Übermalung in einem breiten schwarzen Bogen mit einigen roten Einsprengseln von 1968 schaffte 8.400 Euro (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR).

Georges Braques mit Gouache übergangene Lithografie „Athêné“, eine freie Adaption der griechischen Göttin mit Pferdewagen aus dem Jahr 1935, nahm ein Käufer zu oberen Schätzung von 10.000 Euro mit. Und auch Jean Fautriers zarte, abstrakte Schleifenkomposition, ein wässriges Aquarell von 1957, überzeugte bei 8.500 Euro (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). Dagegen brachte Albert Gleizes’ ebenfalls ungegenständliche „Composition octogonale“ von 1920 mit einem augenförmigen Zentrum nur 7.500 Euro ein (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Auf deutscher Seite gehört Rudolf Jahns zu den frühen abstrakten Malern. Seine tektonische Ölmalerei „Hommage à Joh. Sebastian Bach (Aufbau)“ von 1967 wurde bei 12.000 Euro übernommen (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Einen Bogen zurück nach Frankreich schlägt Louis Marcoussis, der sein weißes Menschenpaar vor grünblauem Hintergrund ebenso wie Picasso in eine kubische Formensprache einspannt, dass es schroff und scharfkantig wirkt. Es kam auf 6.000 Euro (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR).

Unter den Skulpturen lag Ernst Barlachs 1913 gestalteter „Mantelanzieher“, aus dem die vermutlich auch politisch tatkräftige Energie eines Arbeiters spricht, mit einem Erlös von 19.000 Euro noch ganz gut (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Nicht übernommen wurde Alexander Archipenkos 1924 entworfene und hier als posthumer Bronzeguss der Zeit nach dem Tod des Künstlers 1964 vorliegende „Frau mit Tuch“ (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Die drei surrealistischen Skulpturen Salvador Dalís mit effektvoll farbiger Patina und Politur wurden einigermaßen taxgerecht zugeschlagen, so für 9.500 Euro eines seiner wohl bekanntesten Motive, eine auf einem Baum zerfließende Uhr (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Karl & Faber Auktionen

Amiraplatz 3

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 24 22 870

Telefon:+49 (089) 221865

Telefax:+49 (089) 22 83 350

E-Mail: info@karlundfaber.de



03.01.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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07.12.2006, Alte Meister, 19. Jahrhundert, Moderne und Zeitgenössische Kunst

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