Letztes Jahr noch hatte die „Preview“ als Ausgründung der Alternativmesse „Berliner Liste“ die Nase vorn, dieses Jahr haben sich die Vorzeichen umgekehrt. Die „Preview“ nennt sich selbst „the emerging art fair“, ist die jüngste der drei Begleitmessen zum Art Forum und macht doch den am meisten gesetzten Eindruck. Die Präsentation ist professionell, der Katalog recht aufwändig produziert. Der Besucher hat nicht das Gefühl, sich auf einer rebellischen Gegenveranstaltung des Untergrunds zu bewegen, wo es echte Entdeckungen zu machen gilt.
53 Galerien aus 11 Ländern bespielen die 3.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche in der Backfabrik, darunter international etablierte Kollegen wie Cosar aus Düsselorf oder Aliceday aus Brüssel. Immerhin, eigenständige Positionen aus Leipzig sind hier mitunter noch zu Einsteigerpreisen zu haben. So kosten größere Arbeiten von Jochen Plogsties bei der jungen Galerie ASPN 4.800 Euro. Schräg gegenüber bei Marion Scharmann aus Köln gibt es eine zimmergroße Grotte aus Pappkartons von Patrizia Karda mit dem Titel „Das Haus, in dem ich wohne", in der Dias projiziert werden. Der Betrachter bleibt allerdings außen vor und muss sich mit der Position des Voyeurs an einem von drei Sehschlitzen begnügen (Preis 12.000 EUR). Dass die ganze Veranstaltung nicht allzu zu seriös gerät, ist unter anderem Verdienst der Berner Galerie Bernhard Bischoff, die von ihrer Künstlerin Andrea Loux eine kleine Modelleisenbahn mit rundreisendem Plüschball dabei hat. Die so amüsante wie simple Idee soll dem Kunstfreund satte 3.200 Euro wert sein.
Noch klamaukiger erscheint auf den ersten Blick Joachim Seinfelds interaktive Installation „Ego Shooter Friendly Fire“ bei der Artmbassy aus Berlin, bei welcher der Betrachter sich selbst wie auf einer Jahrmarktschießbude beim Schießen mit einer Pistole fotografieren kann (Aufl. 3, Preis 11.000 EUR). Kuratiert wurde der Stand allerdings von Tania Inowlocki vom Genfer Small Arms Survey – die Absichten sind also durchaus seriös. Das muss von Klaus Walters Arbeiten bei der Galerie Hartwig Rügen nicht unbedingt angenommen werden. Die zunächst ganz zeitgeistig dekorativ aussehenden Gemälde im Stil der Ebay-Werbung zeigen etwa einen Jungen vor einer kitschig gemusterten Tapete auf einer gleichartig gestalteten Kojenwand. Allerdings finden sich auf dem Gemälde noch metallisch glänzende Umrisszeichnungen, die sich bei genauem Hinsehen als Darstellungen mehr oder weniger akrobatischer verrenkter Paare beim Geschlechtsverkehr entpuppen. Das vermag weder originell noch hintersinnig oder gar subtil zu wirken.
Und Schnäppchenpreise für Trüffelschweine bietet die Messe auch nicht mehr. Jeder möchte vom Boom profitieren und sich selbst vom Kuchen ein möglichst dickes Stück abschneiden. So sind bereits die Teilnehmerinnen des mit senatsgeförderten Professionalisierungsprogramms des Frauennetzwerks Goldrausch nicht mehr für die Einsteigerpreise von vor einigen Jahren zu haben. Kosteten etwa Aquarelle Martin Eders bei dessen erstem Messeauftritt auf der Art Cologne bei Stargalerist Judy Lybke noch 600 Euro, sollen es für ähnlich dimensionierte Arbeiten von Judith Karcheter am Stand des Künstlerinnenprojekts auf der Off-Messe immerhin schon 820 Euro sein. Früher waren das mal 1.600 D-Mark und nicht wenig Geld. Wie nachhaltig ein solches Geschäftsgebahren ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen, wenn die Nebenmessen möglicherweise zur festen Größe geworden sind und der Boom sich zum stabilen Markt mit breiter Basis ausgewachsen hat.
Preview Berlin
bis 3. Oktober täglich 14 - 21 Uhr
Saarbrücker Straße 36-38, 10405 Berlin