Geboren am 29. September 1833 in Le Mée-sur-Seine, gestorben am 29. April 1891 in Paris Französischer Bildhauer des Neoklassizismus
Henri Chapu besuchte zunächst den Unterricht an der Petite Ecole. 1949 wurde er als Schüler des Ecole des Beaux-Artes in den Ateliers von Pradier, Duret und Léon Cogniet aufgenommen. Chapus Werk ist vom Geist des Neoklassizismus geprägt und mythologisch orientiert. 1851 erhielt er den zweiten großen Preis für Medaillengravur, zwei Jahre später, im Jahr 1853, den zweiten Preis für Bildhauerei und 1855 den ersten Preis in der Bildhauerklasse. Fünf Jahre lebte Chapu allein mit dem Maler Léon Bonnat, der auf seine Kosten mit nach Rom gekommen war, in der Villa Medici.
Nach seiner Rückkehr nach Paris erhielt er zahlreiche Staatsaufträge, unter anderem für die Pariser Oper und das Handelsgericht am Saint-Etienne-du Mont. Der künstlerische Durchbruch gelang ihm mit der Gipsfigur „Jeanne d’Arc“, die er 1870 ausführte und die er zwei Jahre später in Marmor wiederholte. Die Skulptur wird rasch berühmt, weil sie nach der politischen Niederlage von 1870/71 „positive Signale“ setzte. In den 1880er Jahren entstehen eine Reihe von Denkmälern, die Ausdruck seines klassizistischen Kompositionsprinzips waren, darunter das Denkmal für Flaubert (1886-1890), „La Jeunesse“ (1875) für das Regnault-Denkmal in der Ecole des Beaux-Arts, „La Pensée“ (1876-1877) für das Grab der Comtesse d’Agoul und „Le Génie de l’Immortalité“ (1880) für Jean Reynaud.
In einem Brief an Salomon Reinach vom 27. Dezember 1887 legte Chapu seine neoklassistische Position dar, die in ihrer Komplexität an die Hegelianische Kulturphilosophie erinnert: „Da ich zu jenen Beschränkten gehöre, die der Auffassung sind, dass der Blick zurück die Gegenwart besser erkennen läßt und dass man in der Kunst keine neue Vernunft entdecken wird. Dass niemand die Vernunft entbehren kann, weil die Vergangenheit deren Quintessenz enthält. Weil sie allein unsterblich und wahrhaftig ist. Denn wenn alle flüchtige Schwärmerei verschwunden ist, bleibt nur noch das Gute.“
In den 1870er Jahren wurden Henri Chapu zahlreiche Ehrungen zuteil: 1875 und 1877 erhielt er die Ehrenmedaille, 1877 den Preis des Institut France. Als Offizier der Ehrenlegion wurde er auf den Sitz von Henri Lemaire ins Institut de France gewählt. Kurz darauf wurde er Mitglied des Conseil supérieur des Beaux-Arts. Von 1873 bis 1890 wohnte er der Jury für die Zulassung zum Salon des Artistes français bei. 1878 gab er den „Rapport sur la Sclpture à l’Exposition universelle de 1878“, den Bericht über die Bildhauerei auf der Weltausstellung heraus.
Die Museen von Bayonne (Stiftung Bonnat) und Melun sowie der Louvre bewahren seine zahlreichen Zeichnungen auf. Das Museum von Le Mée beherbergt eine Gipsfiguren-Sammlung.
V.V.
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