Flott kommt sie daher, die neue Kunstmesse in Köln mit Namen Art Fair, die gleichzeitig zur Grand Dame der Kunstmessen, der Art Cologne, das kunstinteressierte Publikum nach Köln locken will. Flott ist auch der Spruch, mit dem die Publikumsmesse für junge und erschwingliche Kunst wirbt: enjoy contemporary art! Und schließlich macht auch das Team, das die Verkaufsschau leitet, einen flotten und erfrischenden Eindruck. Die Organisatoren, die nicht aus dem Kunst- sonder aus dem Marketingmetier kommen, sind noch keine 40 Jahre alt, gehen unbefangen mit den Eigenheiten des Kunstmarkts um und bringen den Mut mit, trotz der wirtschaftlichen Flaute die neue Messe zu wagen.
Und den Mut brauchen sie auch! Buhlen doch neben der Art Fair neuerdings auch die Frieze Art in London und Art Basel Miami Beach zusätzlich zu den etablierten Herbstmessen um die Gunst des Publikums. Bei einem derzeit stagnierenden und eher schrumpfenden Markt fragt man sich, ob nicht zu viele Messekapazitäten in den Ring geworfen werden. Mal sehen, wer als Sieger da hervor geht. Jedenfalls geht die Art Fair mit einem klaren Konzept an den Start. Die Idee übernahmen Walter Gehlen und Andreas Lohaus, die beiden Geschäftsführer der Messe, von der „Affordable Art Fair“ aus London, die mit Kunst für den kleinen Geldbeutel seit einigen Jahren gut im Rennen liegt. So will die Art Fair „allen Kunstfreunden ein großes Angebot zeitgenössischer Kunst zu interessanten Preisen bieten. Dies gilt nicht nur für die jungen oder etablierten Sammler und das internationale Fachpublikum, sondern auch für kunstinteressierte Laien mit dem Bedürfnis, hochwertige Originale zu erschwinglichen Preisen zu erstehen.“ Konkret heißt das: Keine Arbeit ist teuerer als 5.000 Euro. Da das bei einem gerade nicht billigen Quadratmeterpreis von 140 Euro nicht durchzuhalten war, ist eine Arbeit pro Aussteller zu gelassen, die die 5.000 Euro Marke überschreitet.
55 Galeristen nehmen nun teil. Großteils kommen sie aus Deutschland, aber auch aus Paris, Oslo, Basel, Kopenhagen, Madrid, Toronto, Zürich, Sydney oder London. Das Vorbild der Liste in Basel, die nun schon seit acht Jahren erfolgreich neben der Art Basel mit einem jungen Programm läuft, dürfte manchen Galeristen jetzt nach Köln gelockt haben. Mit dabei sind auch Galerien, die durch das bisher undurchsichtige Auswahlverfahren auf der Art Cologne verschmäht wurden. So macht Gérard A. Goodrow, der frisch gebackene Direktor der Art Cologne, eine gute Mine zu einem für ihn sicherlich nicht durchweg erfreulichen Spiel: „Die Art Fair ist eine sinnvolle Ergänzung nicht nur zur diesjährigen 37. Art Cologne, sondern auch zu den vielen Ausstellungen und Events in Köln und Umgebung.“ Doch man geht in Zukunft auch gemeinsame Wege und will das Rheinland gegenüber Basel, London und auch den USA wieder als Kunstmarktplatz stärken.
Doch selbst bei so einer frischen Kunstmesse kommt man nicht ohne Kriterien für die Zulassung aus, will man Qualität bieten. Die Messlatte für die Galeristen liegt nicht so hoch wie bei der Art Cologne. Kann sie ja auch gar nicht, da die Art Fair mit den bewusst erschwinglichen Preisen von vornherein auf junge, unbekannte Künstler setzt, deren Marktwert noch in gemäßigten Bahnen verläuft. So sind 80 Prozent der Kunstschaffenden unter 40 Jahre alt, einige studieren noch als Meisterschüler an den deutschen Kunstakademien. Das Niveau der künstlerischen Arbeit ist daher breit. Man trifft auch auf so manches Unausgegorene, das dafür dann aber unbeschwert, keck und frisch auf sich aufmerksam macht. Bunt und lustig kommt die Figur „Dog with fire“ des Norwegers Fredrik Raddum daher, die gerade einem Comic entsprungen zu sein scheint und passend zu Motto der Messe den Betrachter erfreut. Die heuer entstandene Arbeit aus Polyester und Marmorstaub gibt es für 3.750 Euro am Gemeinschaftstand von Brandstrup aus Oslo und Albrecht aus München.
Die Kölner Galerie Binz und Krämer präsentiert die 29jährige Wienerin Deborah Sengel, eine Meisterschülerin von Attersee, mit der Arbeit „Fendi“ aus dem Jahr 2002 für 700 Euro. Auf einer Seidendecke räkelt sich hier ein vollbrüstiges Playmate, dessen Körper über und über mit dem Fendi-Logo „F“ bedeckt ist. Bekannt für ebenfalls figurative Positionen ist die Galerie Gering aus Frankfurt, die die etwas gelangweilte „Strandelfe Sharina“, ein fotorealistisches Ölgemälde von Philipp Weber von 2002, für 4.900 Euro am Stand hängen hat. Der 23jährige Jörg Eibelshäuser, noch Student an der Frankfurter Städelschule, greif in seinem aktuellen Werk „Beppu“ den Trend zur künstlerischen Umsetzung der Mangakultur auf. Für 1.600 Euro ist es bei der Frankfurter Galerie U7 zu haben.
Mit ihrem jungen Programm tritt die Berliner Galerie Vostell in Köln an und zeigt das Multiple „Seven Day Weekend“ von MK Kähne, das Handschellen exklusiv in einem mit rotem Satin ausgeschlagenen Schmucketui den Kunden schmackhaft machen will. In einer 25er Auflage erschienen, kostet der Vorgeschmack auf die Haft 750 Euro. Die Kölner Galerie Schüpenhauer widmet sich mit Jim Avignon, Thea Gvetadze oder Tamara K.E. schon geläufigeren Künstlernamen und stellt von Thea Gvetadze einen erschreckend leblosen Affenkopf aus der Serie "looking for Jan Hoet“ vor. Holger Bärs maschinell erstellte Malereien – diesmal die Tulpenblüten zusammen mit ihren Geninformationen – findet man für je 1.250 Euro bei der Galerie Deschler aus Berlin. Wohltuend zurückhaltend erscheinen die Farbflächenmalereien von Gerd Winter bei Barbara von Stechow aus Frankfurt. „Erwarte den Morgen“ erwartet den Kunstfreund mit 4.900 Euro. Und auf Fotokunst hat sich die Galerie OMC aus Düsseldorf spezialisiert, die mit „Girl Culture“ von Lauren Greenfield das Lebensgefühl weiblicher Teenies für 2.900 Euro nach Köln bringt.
Die Art Fair 2003 findet vom 30. Oktober bis zum 2. November im Kölner Palladium statt. Die Öffnungszeiten sind besucherfreundlich von 14 bis 22 Uhr gestaltet. Für Erwachsene beträgt der Eintrittspreis 8,50 Euro, für Studenten am 30. Oktober 5,50 Euro und für Besucher unter 16 Jahren ist der Eintritt frei.