Bolland und Marotz erfährt den letzten Auktionsbericht für dieses Jahr
Thank God it’s Friday
Gerard Seghers, Rinaldo und Armida
Beruhigende 55 Prozent der rund 1.300 aufgerufenen Lose konnten Bolland und Marotz im Lauf ihrer 112. Auktion am 14. und 15. Dezember in neue Hände übergeben. Dabei erwiesen sich besonders die Landschaften des Worpsweders Otto Modersohn als sichere Bank. Auch als Anlaufstelle für die Liebhaber altmeisterlicher Zeichnungen hat sich das Bremer Haus etabliert.
Einmal mehr erwies sich Otto Modersohn als Zugpferd der Hanseaten. Drei der fünf angebotenen Gemälde wechselten den Besitzer, darunter das Toplos der Auktion, ein „Sommer am Moorgraben“, für den 70.000 Mark bewilligt wurden (Taxe 85.000 DM). Der ungewohnt pastose Herbsttag in den Bremer Wallanlagen steigerte seine Schätzung von 12.000 Mark sogar erheblich auf 19.000 Mark. Aber auch andere Künstler des 19. Jahrhunderts konnten erfolgreich abgesetzt werden. Das idyllische „Motiv aus Hall am Inn“ von Jacques François Carabain wechselte für 26.000 Mark den Besitzer (Taxe 16.000 DM). Bei gleicher Taxe erbrachte die Ansicht einer „Weiten Kaukasuslandschaft“ des Russen Gawriil Kondratjenko“ 22.000 Mark.
Ein weiteres Genrebild eroberte ebenfalls einen der vorderen Plätze. „Wäscherinnen im Hof“ von Pietro Pajetta erzielt mit seiner realistischen Darstellungsweise aus dem Millieu der unteren Schichten in Nahsicht eine ganz direkte Ansprache des Betrachters. Ein Bieter honorierte diese Leistung mit 23.000 Mark (Taxe 17.000 DM). Otto Pippels impressionistische Panorama mit „Wäscherinnen am Gardasee“ in erdigen Farbtönen fand bei einer Taxe von 17.000 Mark hingegen keine Zustimmung.
Die nur 15 Positionen der Altmeistergemälde wurden in jeder Beziehung von einem monumentalen Gemälde Gerard Seghers’ überragt. Die Szene mit „Rinaldo und Armida“ aus Torquato Tassos „Gerusalemme liberata“ konnte – wohl wegen des beschränkten Kreises potentieller Kunden mit ausreichend großem Salon – nur weit unter der Taxe von 65.000 Mark bei 45.000 Mark zugeschlagen werden.
Bei Arbeiten auf Papier sind die Bremer besonders mit Zeichnungen Alter Meister erfolgreich. Zwar blieb das Toplos in dieser Sektion, die dramatische „Bekehrung des Paulus aus der Feder des „Cecchino“ genannten Francesco Salviati unverkauft (Taxe 17.000 DM), doch konnten sowohl Francesco Primaticcios „Wiederbegegnung von Odysseus und Penelope“ für 10.000 Mark (Taxe 15.000 DM), als auch die Anton van Dyck zugeschriebene Studie zu einer „Caritas“ für 7.000 Mark (Taxe 7.500 DM) abgesetzt werden. Eine bildmäßig angelegte sechseckige „Krönungsszene“, die dem Barocci-Umkreis zugehörigen Andrea Lilio zugeschrieben wird, steigerte sich von 2.600 auf 3.900 Mark.
Die hochpreisigen Möbel des Katalogs fielen samt und sonders durch. Das galt für den Würzburger „Aufsatzschrank“ mit einer Taxe von 44.000 Mark ebenso wie für den „Bückeburger Brautschrank“ von 1764 (Taxe 19.000 DM) und den westfälischen „Kannenstock“, für den 22.000 Mark veranschlagt worden waren. Allerdings rettete ein nachträglich eingelieferter „Altonaer Schreibschrank“ aus der Zeit um 1760/70 das Ergebnis. Er erzielte genau seine Schätzung von 50.000 Mark.
Beim Porzellan efüllten die Toplose die in sie gesetzten Erwartungen knapp. Die fragilen Meißener „Personifikationen der vier Jahreszeiten“ aus der Zeit um 1760 blieben mit 10.000 Mark um 2.000 Mark unter der Taxe. Die „Prunkvase mit Watteauszene“ nach einem Modell von J. J. Kaendler aus der Zeit um 1860 erzielte 9.000 Mark (Taxe 9.500 DM).
Ein nordostdeutscher silberner „Samowar“ des späten 18. Jahrhunderts war der Jahreszeit entsprechend heißbegehrt und brachte 10.000 Mark (Taxe 6.600 DM). Eine „Tischuhr“ in der seltenen Form einer „Tripod Clock“ vermochte die Bieter trotz integrierten Thermometers und Barometers bei einer Taxe von 35.000 Mark nicht zu begeistern.
Die neu aufgenommene kleine Abteilung mit Wein wurde gut angenommen, auch wenn der Rüdesheimer Apostelwein“ aus dem Rheingau des Jahrgangs 1727 bei einer Taxe von 7.000 Mark keinen zahlungskräftigen Conoisseur fand. Die übrigen edlen Tropfen wechselten ausnahmslos bei zum Teil kräftigen Steigerungen den Besitzer.