Nur noch 1.300 statt 1.600 Lose werden bei der 112. Auktion bei Bolland und Marotz am 14. und 15. Dezember zum Aufruf kommen. Die Verschlankung geht fast vollständig auf Kosten der Varia und trägt zur Verbesserung des Qualitätsniveaus bei. 106 Werke umfasst die Abteilung Bremer, Worpsweder und Oldenburger Künstler. Die ausgewiesenen Spezialisten auf diesem Gebiet darauf reduzieren zu wollen, wäre jedoch ungerecht. Im Segment der Altmeisterzeichnungen müssen sie sich zwar gegen eine Handvoll Konkurrenten im deutschsprachigen Raum behaupten. Dennoch gelingt es ihnen immer wieder, beeindruckende Arbeiten italienischer und niederländischer Meister zu präsentieren.
Toplos ist einmal mehr ein Gemälde von Otto Modersohn. Sein lichtdurchfluteter „Sommer am Moorgraben“ läst das nasskalte Schmuddelwetter für geschätzte 85.000 Mark vergessen. Wem das zu fröhlich ist, der kann seine Winterdepression am „Herbsttag in den Bremer Wallanlagen“ pflegen, der bei einer Taxe von von 12.000 Mark immerhin erheblich preiswerter zu haben sein dürfte. Für den gleichen Schätzpreis sind allerdings auch Hermine Overbeck-Rohtes „Sommerwolken am Weyerberg“ zu haben. Alpenländische Dorfidyllen etwa aus der gleichen Zeit präsentieren Jacques François Carabain mit einem „Motiv aus Hall am Inn“ (Taxe 16.000 DM) und Anton Doll, der einen „Winterabend vor einem Landgasthof“ im Abendrot leuchten lässt (Taxe 55.000 DM).
Wie ein Hecht im Karpfenteich nimmt sich das Bild „Rinaldo und Armida“ von musealer Qualität des Flamen Gerard Seghers unter den gerade einmal 15 Altmeistergemälden aus. Kein Wunder, wurde es doch lange Zeit Anthonis van Dyck zugeschrieben. Der Tochter des Königs von Damaskus ist es gelingen, den Kreuzritter Rinaldo auf eine Liebesinsel zu locken. Sie schmückt den schlafenden Helden mit einer Blumengirlande, der zusammen mit ihrem wallenden Umhang die Liebenden in eine Kreisbewegung einschließt. Umgeben sind sie von allerhand Putti und einer Nymphe. Doch Vorsicht ist geboten: Das Verlöschen der Fackel deutet auf den Tod hin. Die literarische Vorlage für diese Darstellung ist Torquato Tassos Hauptwerk „Gerusalemme liberata“ (Taxe 65.000 DM).
Bei den Zeichnungen hat die Zuschreibung an van Dyck immer noch Bestand. Die mit wenigen Strichen schwungvoll ausgeführte „Caritas“ stammt wieder einmal aus dem Besitz Arnold Blomes (Taxe 7.500 DM). Hauptlos in dieser Abteilung ist die vielfigurige „Bekehrung des Paulus“ von Franceso Salviati. Die quadrierte Zeichnung diente Enea Vico als Vorlage für den bekannten Kupferstich (Taxe 17.000 DM). Ebenfalls als vorbereitende Zeichnung gilt die „Wiederbegegnung von Odysseus und Penelope“. Sie soll Francesco Primaticcio zur Ausführung der verlorenen Galerie d’Ulysses auf Schloss Fontainebleau für Franz I. gedient haben (Taxe 15.000 DM). Die „Dorflandschaft mit Windmühle“ aus dem Umkreis Lambert Doomers beeindruckt durch ihre malerische Wirkung, die allein mit Feder und Lavierung erreicht wird (Taxe 2.200 DM).
Aus der Werkstatt Giambolognas stammt eine kleine Version des Neptun für den Brunnen auf der Piazza Maggiore in Bologna, die 11.000 DM kosten soll. Dieselbe Summe wird für Gert Heinrich Wollheims Porträtbüste von „Hasso Wollheim“ veranschlagt.
Hohe Preise möchten die Hanseaten auch für Möbel erzielen. Ein Würzburger „Aufsatzschrank“ des Rokoko aus der Zeit um 1750 ist auf 44.000 Mark taxiert. Ein Sekretär, ebenfalls zum Aufsetzen, aus derselben Zeit soll 25.000 Mark wert sein. Reich mit geschnitzten und bemalten Weinranken verziert ist der „Kannenstock“ aus Eiche, der gegen Ende des 18, Jahrhunderts wohl ein westfälisches Heim schmückte (Taxe 22.000 DM).
Weiterhin kommen Porzellan, Schmuck, Silber sowie Varia zum Aufruf, unter denen sich eine „Schaufensterpuppe“ befindet, die wohl irrtümlich als „Käthe Kollwitz-Modell“ bezeichnet wird (Taxe 3.000 DM). Die wertvollste Uhr ist eine „Tischuhr“ vom Typus Tripod Clock aus Sankt Petersburg, die 35.000 Mark einspielen soll.
Die Vorbesichtigung findet vom 8. bis zum 10. Dezember von 10 bis 18 Uhr und am 11. und 12. Dezember von 10 bis 20 Uhr statt. Die Auktion beginnt am 14. Dezember um 16 Uhr und tags darauf um 10 Uhr.