Panoramavase mit umlaufender Ansicht Potsdams, Berlin, um 1830/35
Wenn es um Kunsthandwerk und Antiquitäten geht, dann ist die jährlich stattfindende Kunstmesse in München, das deutsche Äquivalent zur TEFAF in Maastricht, der Biennale des Antiquaires in Paris und der Grosvenor House Fair in London. Doch der Messe-Markt ist aufgrund der zunehmenden Veranstaltungen immer härter umkämpft.
Ab 2003 soll es im „Münchner Haus der Kunst“ unter der Organisation des Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Kunsthändler e.V., Konrad Bernheimer, eine exquisite Konkurrenzveranstaltung geben. Bernheimer, der mit seinem Kunsthandel bis vor kurzem selbst Aussteller auf der Kunstmesse München war, plant eine mit etwa 70 Teilnehmern zwar kleinere, aber durch größere ausländische Beteiligung weit internationalere Messe. Was für die Münchner Messemacher erhöhten Konkurrenzdruck bedeutet, kann für die Besucher jedoch nur von Vorteil sein.
Bereits in diesem Jahr reagierten die Organisatoren der „Kunstmesse München“, die vom 24. November bis zum 2. Dezember in der Halle A6 des Messegeländes in München-Riem gastiert, mit einer Straffung des Programms. Die Anzahl der Aussteller wurde im Vergleich zum vergangenen Jahr von 140 auf 130 reduziert. Dennoch sind 21 Neuzugänge zu verzeichnen, darunter der Pariser Altmeisterspezialist De Jonckheere, der Wiener Jugendstilexperte Kovacs oder die Landau Fine Arts aus Montreal, die die eher schwache Auslandsbeteiligung verstärken sollen.
Eine wesentliche Änderung liegt in der deutlicheren Gliederung der Messe. Die Schausteller mit Spezialgebieten unterschiedlicher Ausrichtung und Zeitspannen, sind in die Kategorien „A“, für die Kunst von der Antike bis zum 19. Jahrhundert, einschließlich außereuropäischer Kunst, „B“, die Kunst auf Papier, und „C“, für die Kunst des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, unterteilt. In den jeweiligen Ballungsräumen mit „A“-, „B“- oder „C“-Anbietern - was keine Aussage über die Qualität der Aussteller beinhaltet - soll der Besucher auf den 12.500 Quadratmetern schneller finden, was er sucht.
Besonders die beiden letzten Gruppen haben Zuwachs bekommen. Der im Jahr 2000 bereits sehr erfolgreiche Bereich mit „Kunst auf Papier“ wurde in diesem Jahr weiter ausgebaut. Hier präsentiert die Münchner Händlerin Katrin Bellinger die Gouache „Specht in einem Baum“ aus dem Nachlass Adolph von Menzels für 98.000 Mark. Neuausstellerin Ingrid Knirim aus Münster bringt die Federzeichnung eines männlichen Akts von Bartolomeo Passarotti für 52.000 Mark mit nach München. Auch auf Klassische Moderne trifft man hier: So beim Hamburger Kunsthandel Martin Moeller mit Bernhard Hoetgers Aquarell „Sitzender weiblicher Akt“ für 16.900 Euro oder bei der Münchner Galerie Fred Jahn mit Willi Baumeisters „Kammzugfiguren“ von 1948 für 46.000 Mark.
Die Schwerpunkte der Messe liegen jedoch weiterhin auf Kunsthandwerk, Antiquitäten und Alten Meistern. Neben den Ausstellern erwartet die Besucher ein aufwendiges Rahmenprogramm. In einer eigens konzipierten Ausstellung werden „Pferde in der bildenden Kunst“, darunter eine Bronze nach einem Entwurf von Leonardo da Vinci, und „Die Statue eines Putto mit Delphin“, eine Skulptur aus der Werkstatt Andrea del Verrocchio, zu sehen sein. Beide Werke, gefertigt nach dem Vorbild kunsthistorisch bedeutender Arbeiten, sind Leihgaben aus dem Museum der Bildenden Künste in Budapest.
Zu den Ausstellern des traditionellen Programms gehören der Bamberger Kunsthandel Senger und Aachener Glas-, Art Déco- und Jugendstil-Spezialist Achim Schürenberg. Beide sind mit repräsentativen Stücken vertreten. Schürenberg zeigt ein Paar zierlich, elegante Säulenvitrinen für 50.000 Euro, die in Berlin um 1901-02 entstanden, während der Antiquitätenexperte Senger mit einer geschwungenen und mit aufwendigen Intarsien geschmückten Barockkommode der Gebrüder Spindler aufwartet. Eric Meletta aus München stellt ein Paar französische Empire Pfeiler-Kommoden von 1810 für knapp 60.000 Mark aus und Biedermeierspezialist Axel Schlapka einen Lyraschreibschrank mit Schwarzlotmalerei aus Weilheim für 140.000 Euro.
Im Bereich der Skulptur bietet der Münchner Kunsthändler Sascha Mehringer herausragende Stücke. Seine spätgotische „Madonna mit Kind“ aus Lindenholz um 1480, die dem Meister des Lautenbacher Altares zugeschrieben wird, gehört trotz ihres nicht perfekten Erhaltungszustandes zu den schönsten Stücken dieser Sparte. Georg Urban hat eine Salzburger Madonna von 1415/20 für 96.000 Mark im Gepäck, das Münchner Kunsthändlerehepaar Pachmann den Brückenheiligen Nepomuk, eine lebensgroße Sandsteinfigur von Johann Peter Wagner, und Rainer Jungbauer den eleganten Bozzetto „Diana mit Jagdhund und Cupido“ von Jean-Baptiste Defernex.
Einen Reisealtar aus dem späten 17. Jahrhundert, ein feuervergoldetes Kreuz auf einem reich mit Silber und Halbedelsteinen besetzen Postament, findet man am Stand der Kunstkammer von Georg Laue. Der Münchener Aussteller bietet die 47 cm hohe Kreuz, das einst im Besitz des Domdekans von Regensburg, Wolf Christoph Freiherr von Clam, war, in einem passendem Lederetui an. Kunstkammerobjekte gibt es auch bei dem Würzburger Hermann Lockner. An seinem Stand hält er eine feuerrote Mittelmeerkoralle für 75.000 Mark bereit, die zum Präsentieren um 1600 auf einen Holzsockel montiert wurde.
Stücke von musealer Qualität finden sich auch unter den angeboten Bildwerken „Alter Meister“. Auf dem Messegelände tummeln sich Werke von Lucas Cranach d.Ä. bei der Galerie Trost Fine Art in München, von Carl Spitzweg im Kunstsalon Franke und im Kunsthaus Bühler oder des berühmten Freskomalers Januarius Zick, beim A & T Kunsthandel Dr. Tanja Lampa. Bei Ulf Härtel aus Bamberg sind zwei Capricci in Öl mit Ruinenlandschaften von Christian Stöcklin zu sehen, bei Frye & Sohn aus Münster der „Mittelmeerhafen mit Reisenden“ von Johannes Lingelbach und bei von Linteln & Nusser Max Liebermanns Porträt das Wilhelm Bode von 1904, das sich in der Sammlung Georg Schäfer befand. Ikonen finden sich bei den Spezialisten Stefan Brenske aus Hannover und Maria Rutz aus Düsseldorf. Sie bietet eine Kalenderikone des Monats Juni für 35.000 Euro an, die im 16. Jahrhundert in Moskau geschrieben wurde.
Auch die Sparten Silber und Porzellan sind gut bestückt. Der Münchner Kunsthandel Daxer & Marschall präsentiert beispielsweise eine monumentale KPM-Panoramavase mit umlaufender Ansicht Potsdams von Eduard Wilhelm Forst aus dem Jahren um 1830-35. Der Düsseldorfer Kunsthändler Esch bringt eine Nürnberger Barockterrine mit Untersatz aus Fayence für 17.500 Euro mit nach München und der Wiesbadener Frank Oberacker die Muse Urania. Die um 1744 nach einem Entwurf Johann Joachim Kanedlers in Meißen entstandene Figur kostet 25.000 Mark.
Glänzendes Silber findet man beim Aachener Kunsthandel Grobusch, der ein 32.000 Mark teueres Kaffe- und Tee-Service von Orivit aus dem Jahr 1907 anbietet, beim Würzburger Albrecht Neuhaus mit einem teilvergoldeten Becher des Salzburger Meisters Caspar Zeiringer III., verziert mit Arabesken und drei Profilansichten für 45.000 Mark , bei der Galerie Henrich mit verschiedenen Münzbechern des 17. und 18. Jahrhunderts und beim Manfred Giolda aus Würzburg, der an seinem Stand einen klassizistischen Samowar des Augsburger Meisters Friedrich Ernst Dassdorf für 19.000 Euro zeigt.
Im Bereich der Asiatika lockt die Galerie Peter Hardt aus Radevormwald mit der Skulptur des altindischen Gottes „Ganesha“ aus dem 16. Jahrhundert. Der elefantenköpfige Gott der Gelehrsamkeit soll 61.100 Mark kosten. Jean-David Cahn aus Basel bietet die Statuette eines Kapitalen Steinbocks, Königreich Saba, 1. Jahrhundert nach Christus, für 75.000 Franken an, das Frankfurter Antiken-Kabinett Bernd Gackstätter einen attischen, rotfigurigen Glockenkrater mit Europa, dem Stier, Poseidon und Asterion für 49.000 Mark und die Brüsseler Spezialisten für Stammeskunst , Lin und Emile Deletaille, eine Puvi-Maske aus Gabun.
Die Düsseldorfer Galerie Ludorff hat im Bereich der Klassischen Moderne Emil Noldes Aquarell „Rote Dahlien und gelbe Gerbera“ ausgewählt, die Münchner Galerie Schüller Leo Putz’ „Abendläuten“, das Kunsthaus Bühler ein Lupinenbild von Curt Herrmann und die Galerie Landau aus Montreal René Magrittes „La Magie noire“. Noch jüngeren Datums sind die Arbeiten bei Kaess-Weiss aus Stuttgart, der Galerie Wild aus Frankfurt und der Galerien Pfefferle und Terminus aus München. Favorit bei Kaess-Weiss ist Niki de Saint Phalle unter anderem mit der Sitzfigur „Mother and child“. Eva Maria Wild hat eine unbetitelte Arbeit mit farbigen Pinselspritzern aus dem Jahr 1989 von Sam Francis für die Messe reserviert und die Galerie Terminus den 1974 gemalten „Waldweg“ von Georg Baselitz. Eine der jüngsten Arbeiten stellt die Karl Pfefferle vor: erst im vergangenen Jahr entstand Bernd Zimmers Landschaftsbild „Dünen. Sonne“, das die Mittagsglut der Sonne im blutroten Himmel festhält.
Täglich um 17 Uhr führen Experten in verschiedene Sachgebiete, wie Ägyptika oder zeitgenössische Skulptur, ein. Außerdem finden mehrmals täglich kostenlose Führungen über die Messe statt. Geöffnet ist am Samstag den 24. November von 14 bis 19 Uhr. Vom 25. November bis zum 2. Dezember sind die Besuchszeiten von 11 bis 19 Uhr. Am 29. November gibt es eine Abendöffnung bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet 25 Mark pro Person, Schüler und Studenten frei. Der Katalog ist für 15 Mark zu haben.
Kunst-Messe München
Messe München Riem
Halle A6, Eingang Ost