Geboren am 12.September 1829 in Speyer, gestorben am 4.Januar 1880 in Venedig Deutscher Maler, einer der Hauptvertreter des Neoklassizismus und der Neoromantik
Anselm Feuerbach war der Sohn des Philologen und Archäologen Johann Anselm Feuerbach und Neffe des Philosophen Ludwig Feuerbach. Er besuchte in den Jahren 1845 bis 1848 die Düsseldorfer Akademie, war dort Schüler von Johann Gottfried Schadow, Johann Wilhelm Schirmer und Carl Ferdinand Sohn. Danach war er zwei Jahre in München bei Carl Schorn. Im Atelier Karl Rahls lernt er die französische Malerei kennen. Anschließend ging er für ein Jahr nach Antwerpen und lässt sich von Juni 1851 bis Mai 1852 zum ersten Mal in Paris nieder, wo er die Bilder Gustave Courbets kennenlernte.
Nach einem kurzen Aufenthalt begibt er sich im November 1852 erneut nach Paris, wo er Schüler von Thomas Couture wird. Dieser förderte die Neigung zum Dekorativen und die Vorliebe für architektonische Rahmenmotive (Tod des Pietro Aretino, 1854, Basel). 1855 reist Feuerbach mit Josef Victor von Scheffel nach Venedig, wo er Tizian kopierte. 1857 siedelt er nach kurzem Florenz-Aufenthalt nach Rom über, wo er bis 1873 bleibt. Dort wird Adolf Friedrich Graf von Schack in München sein wichtigster Auftraggeber und er macht die Bekanntschaft von Arnold Böcklin. 1860 trifft er Nanna Risi, die ihm bis 1865 für etwa 20 Bildnisse als Modell dient. In ihr sieht er sein Ideal einer klassischen Schönheit und formuliert ihre Porträts zu heroischen Frauengestalten der Dichtung um: Lucrezia Borgia und Iphigenie. 1866 findet er in Lucia Brunacci das zweite Modell für die Kompositionen der nächsten Jahre: Medea, Orpheus und das Urteil des Paris. 1873 bis 1876 erfolgt die Berufung Feuerbachs als Lehrer für Historienmalerei an die Wiener Akademie. Danach zog er sich nach einer schweren Erkrankung nach Venedig zurück, wo er bis zu seinem Tod blieb.
Das Frühwerk Feuerbachs stand noch in der Auffassung Rahls und Coutures. Der Aufenthalt in Venedig wirkte sich auf seinen Kolorismus aus, aber entscheidend für seine Malerei wurde Rom. Sein Stil wurde klassischer und monumentaler, er reduzierte und verfeinerte die Farbigkeit seiner Gemälde, was ihm den Vorwurf einbrachte, kühle und leblose Bilder zu malen. Weitere Charakteristika seiner Malerei sind eine distanzierte Sicht und die Tendenz zur Idealisierung. Die gelungensten Ergebnisse erzielte Feuerbach, wenn er versuchte, den Bildern eine elegisch-lyrische Stimmung und eine verhaltene Tragik zu geben. Feuerbach hinterließ auch schriftlichen Äußerungen („Das Vermächtnis“, „Briefe an die Mutter“), von seiner Mutter herausgegeben.